September 2007  

 

 

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Kaum ein Tag ohne Sturmwarnung oder ohne Regen!
Route Stockholm - Dalarö - Nynäshamn - Ringsön, Västerfiärden - Oxelösund - Götakanal (Mem - Berg - Borensberg - Motola - Karlsborg - Forsvik - Töreboda - Sjötorp) - Sunnana - Vänersborg - Trollhättankanal (Lilla Edet) - Göteborg - Lerkil - Glommen - Höganäs - Rungsted

Allgemein

Der September war ein abwechslungsreicher Monat. In den verschiedenen Gebieten, die wir durchfuhren, erlebten wir Wasser und Land auf verschiedene Weise. Wir segelten in geschützten Schärenfahrwassern und über das offene Meer, ankerten in einer der schönsten und im September einsamsten Ankerbucht und übernachteten in betriebsamen Stadtmarinas. Im Götakanal zogen die Felder, Wälder und Dörfer zum Greifen nah an uns vorbei. Auf den grossen Inlandseen herrschte Starkwind und sorgte für Bedingungen wie auf dem Meer. In Göteborg streiften wir auf unseren Spaziergängen durch das pulsierende, geschäftige Leben einer Grossstadt. Im Kattegat erlebten wir einen Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis über 50 kn.
Weniger abwechslungsreich war das Wetter. Oft regnete es, hauptsächlich bei den Ankünften in den Häfen. Die Velos blieben meist im Schiff verstaut und auch Spaziergänge machten wir weniger als bei schönem Wetter. So blieben wir oft an Bord, spielten Karten, lasen ein Buch oder beschäftigten uns mit Schiffspflege und -unterhalt.

Wind und Wetter

Alles Nass

 

Eine Sturmwarnung löste die nächste ab. Die Starkwind- und Sturmwarnungen werden jedes Jahr fortlaufend nummeriert. Stockholm Radio brachte es bis Ende September auf 555 Warnungen, Lingby Radio (Dänemark) sogar auf über 900. Wobei die Dänen im Gegensatz zu den Schweden die ganze Nordsee abdecken. Auffallend war, dass der Starkwind nicht nur einzelne Gebiete sondern oft die gesamte Ostsee betraf.
Hatten wir keinen Sturm, war das Wetter meistens nass. Sonnenschein war ziemlich selten. Dafür hatten wir einige Male, speziell am Abend, wunderschöne Stimmungen.

Barometersprünge Der Barograph verzeichnete im September extreme Unterschiede. Tiefster Wert war 986.1, höchster Wert 1028,2 hP. Veränderungen gegen oben oder unten innert Stunden um mehrere hP waren üblich und kündigten jeweils den Starkwind an.
Wetter zum Schmunzeln (versch. Zitate)

Aus einem Törnführer: Während der Segelsaison ist an der schwedischen Westküste nur mit mässigen Winden zu rechnen; Stürme sind zwischen April und September selten.
Ein Finne: Das aktuelle Wetter ist wie in Finnland der Winter, nur hat es momentan noch zu wenig Schnee.
Die Schweden: Der Sommer hat gar nie stattgefunden.
Der Winter ist vorbei, jetzt kommt der Winter.
Der schlechteste Sommer seit 1998.

Unser Gast

Karlo in Vollmontur

Vom 3. September bis Ende Monat war Karl Krattiger mit uns an Bord. Er war eine willkommene Unterstützung bei der Arbeit in den Schleusen und beim Rudergehen, umsomehr als Vreni immer noch handicapiert war nach ihrem Bänderriss.
Wie schon letztes Jahr hatte er seine Videokamera dabei und wollte über den Törn einen Film drehen. Leider versagte die Kamera nach etwa zehn Tagen den Dienst und war durch nichts zu bewegen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Schade - trotzdem, danke viu mau, Karlo.

Das erste Fondue an Bord

Fondue 4
Fondue     
Als wir das Schiff ausrüsteten, war für uns klar, dass wir ein Fonduecaquelon samt Kisag-Brenner mitnehmen würden. Während der ersten beiden Sommer hatten wir jedoch nie Lust auf ein Fondue.
Im letzten Monat, als wir wieder einmal mehr im Regen froren, wünschte sich Karlo ein Fondue. Gesagt, getan! Mit schwedischem Käse, Grappa und dem leicht süsslichen schwedischen Brot gab es das erste Fondue an Bord. Es schmeckte super!

Der Götakanal

Forsvik 5

 

Schleuse 2

 

Borenshult

 

Karlo am Üben

 

 

Einige Zahlen:
Länge: 102.6 sm, Anzahl Schleusen: 58 (39 aufwärts und 19 abwärts), Höchsten Punkt: 91.8 m über Meer (See Viken).
Bei Sjötorp am Vänernsee endet der Götakanal auf 44 m über Meer. Die kürzeste Distanz über den Vänern nach Vänersborg beträgt etwa 64 sm. Über den Trollhättankanal und Göta Älv erreicht man nach 43 sm bei Göteborg die Westküste von Schweden. Dabei sind weitere 6 Schleusen zu passieren, wobei der Höhenunterschied jeweils etwa 7 m beträgt, also mehr als doppelt so viel wie im Götakanal.
Das Aufwärtsschleusen bedeutet etwas mehr Arbeit als abwärts. Ein Crewmitglied wird vor der Schleuse an Land abgesetzt, um die Leinen in Empfang zu nehmen und an Ringen zu belegen. Sobald das Wasser in der Schleuse steigt, wird die Bugleine vom Schiff aus eingeholt, damit das Schiff im Gegenstrom schön an der Schleusenwand anliegt. In den mehrstufigen Schleusentreppen bleiben eine oder zwei Personen an Land und gehen mit den Leinen in der Hand von einer Kammer zur nächsten. Leichte Schiffe werden von Hand gezogen, wir benützten dazu den Motor.
Das Abwärtsschleusen ist etwas einfacher, weil beim Abfliessen des Wassers keine Strömungen oder Turbulenzen einstehen.

In der Nachsaison kann man den Götakanal nur im Konvoi und nur an drei Tagen pro Woche in Angriff nehmen. Begleitet wird der Konvoi jeweils von einem Schleusenwärter, der im Auto vorausfährt um Schleusen und Brücken rechtzeitig zu öffnen.

Im Mem bestand unsere Gruppe noch aus mehreren Yachten. Am zweiten und dritten Tag waren wir zusammen mit einem deutschen Boot und an den beiden letzten Tag bestand die Gruppe nur noch aus uns.
Auf den Seen Vättern und Vänern erlebten wir frische bis starke Winde. Die Wellen auf dem Vättern liessen sich durchaus mit denjenigen der Ostsee vergleichen, kurz und steil.

Aufwärtsschleusen - ein praktischer Tipp: Machen Sie eine Schlaufe von ca. 50 cm Durchmesser an einem Leinenende, das an Land benötigt wird. Dadurch brauchen Sie keine neuen Leinen in jeder Schleusenkammer zu knüpfen. Stattdessen können Sie eine Schlinge durch die Ringbefestigung an der Schleusenkante legen.
Wie wird nun die Schlaufe durch den Ring gelegt? Zum Üben tut's ein Fotoapparat.

Der Götakanal ist touristisch stark erschlossen. Radfahren, Wandern, Kreuzfahrten sowie Wassersport und mehr wird angeboten. In der Saison herrscht sicher viel Betrieb. In der Nachsaison hingegen erlebten wir abgesehen von einem mittelalterlichen Festival in Sjöderköping nur verschlafene Dörfer, geschlossene Cafés, Velovermietungen, Museen und Touristinformationen.

Kunstwerke am Götakanal
Das Resultat des Kunstprojektes 'Visionen am Wasser' sind permanente Kunstgestaltungen oder Ausschmückungen in einigen der Ortschaften am Kanal

Vadstena

Wegen des launischen Wetters mussten wir immer wieder unfreiwillige Hafentage einlegen, um auf günstigere Winde zu warten. So auch in Motola am Vätternsee. Wir nützten die Zeit zu einem Ausflug nach Vadstena, einer historische Stadt mit grossem Schloss und zwei Klöstern.

Aufgebrummt in Sunnana

Im Hafen von Sunnana hatten wir am Abend längsseits hinter einem anderen Schiff festgemacht. Das Rückwärtsanlegen war problemlos.
Nicht schlecht staunten wir, als es am nächsten Morgen einige Meter nach dem Ablegen, bei einer Wassertiefe von 2.7 m, krachte und das Schiff in leichter Schrägelage plötzlich blockiert war. Vergeblich versuchten wir mit Motor und auch mit Bugstrahlruder das Schiff wieder flott zu kriegen.
Erst mit 2 Leinen an den Steg und über die Winschen konnten wir das Schiff rückwärts ziehen um anschliessend aus dem Hafen auszulaufen.

Reparaturen

Unsere Kuchenbude (Cockpitabdeckung) hat durch die diesjährige häufige Beanspruchung stark gelitten. Immer wieder lösten sich Nähte auf. Einige konnten mit unserer Nähmaschine geflickt werden, andere Stellen nur in geübter Team- und Handarbeit.

Gegen Ende September begann das hydraulische Getriebe auf unerklärliche Weise Öl zu verlieren. Es dauerte ein paar Tage, bis Hansruedi herausfand, dass das Öl im Motorenraum von der Decke heruntertropfte. Aber wie kam es dort hinauf? Des Rätsels Lösung war, dass die Druckanzeige am Instrumentenpanel im Cockpit leckte und das Öl von dort aus wieder in den Motorenraum gelangte. Nun warten wir auf Ersatz aus England, bevor wir weiter reisen können.

Besuch an Bord

Büssi an Bord2
Ich möchte ..        

 

Kaum in einem Hafen angekommen, kommen oft Enten oder Schwäne, die laut quakend oder fauchend um Futter betteln.
Als wir in Borensberg vom Duschen zurückkamen, strich uns eine Katze um die Beine. Kaum waren wir im Schiff, machte die Katze e
inen eleganten Sprung und schon war sie auf dem Vordeckt, wo sie sich interessiert umschaute.
Sobald Hansruedi die Katze sah, erklärte er ihr, dass sie hier nichts zu suchen hätte und sofort wieder an Land zurück müsse. Etwas beleidigt zog sie sich zurück und wartete auf die nächste Gelegenheit. Als wir das nächste Mal aufschauten, hatte sie sich ganz still auf dem Schiff niedergelassen. Ob sie wohl von einem Leben als Bordkatze träumte?

Schwimmweste

HR in Schwimmweste 2

 

Für uns ist ganz klar, dass - sobald wir unterwegs sind - immer die Schwimmwesten getragen werden.
Da wir im September viel bei nassem oder stürmischem Wetter unterwegs waren, wurden diese Westen auch entsprechend oft nass.
In Rungsted hingen die Westen im Cockpit zum Trocknen, als es plötzlich zu zischen und zu fauchen begann. Offensichtlich bekam Vreni's Weste das feuchte Klima auf die Dauer nicht und sie blies sich automatisch auf, worauf Hansruedi Sitz und Tragekomfort dieser Weste prüfte.