Mai 2009  

 

 

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Der erste Monat unterwegs

Route

Burgstaaken (Fehmarn) - Sassnitz - Rönne (Bornholm) - Christiansö (Bornholm) - Utklippan - Kalmar - Borgholm (Öland) - Byxelkrok (Öland) - Visby (Gotland) - Nynäshamn

Allgemein

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Leerer Hafen in Visby

 

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Sonnenuntergang       

 

Anfangs Mai waren wir so weit, dass wir aufbrechen konnten. Zum richtigen Zeitpunkt für uns war Westwind angesagt. Das sollte uns ermöglichen, in relativ grossen Tagesetappen rasch an die schwedische Ostküste zu gelangen.
Dabei wollten wir dieses Mal nicht dem Festland entlang segeln, sondern all die Inseln anzusteuern, die wir bis jetzt noch nicht besucht hatten. Dies gelang uns zur vollen Zufriedenheit.
Nicht ganz zufrieden waren wir mit dem Verhältnis zwischen Segel- und Motormeilen. Wir hatten uns vorgenommen, jeweils auf den richtigen Wind zu warten und keine langen Etappen unter Motor zurückzulegen. Um nicht in starken Gegenwind hinein zu geraten und somit noch mehr Verspätung auf unser Törnziel zu erleiden, hielten wir uns nicht ganz an unseren Vorsatz. Von Rönne nach Christiansö (30sm) und weiter nach Utklippan (40sm), sowie fast die Hälfte der Strecke von Visby nach Nynäshamn (d.h. 40 sm) legten wir unter Motor zurück.
Auf der letzten Etappe wurden wir dafür durch die schöne, beinahe die ganze Nacht dauernde Dämmerungsstimmung entschädigt. Ein Vorgeschmack auf die weissen Nächte im Norden.
Die Inseln erforschten wir wie üblich zu Fuss, mit dem Velo und öffentlichen Bussen. Auf Gotland leisteten wir uns ausnahmsweise für einen Tag ein Mietauto, da wir sonst die weit auseinander liegenden Sehenswürdigkeiten im Süden der Insel nicht hätten besuchen können.

Wind und Wetter

Rönne Sonnenuntergang
Sonnenuntergang in Rönne

 

Ein bunter Mix aus Sonnenschein und Regen, frischem Wind aus wechselnden Richtungen und auch Flauten.
Nach der langen Ostwindlage im April war Anfangs Mai endlich Westwind angesagt. Hochdrucklage über Zentraleuropa und Tiefs, die am Nordrand dieser Hochs über Skandinavien nach Osten zogen, sorgten anfangs für den richtigen Wind für uns.
Die Temperaturen waren lange Zeit auch bei schönen Wetters empfindlich kalt. Es gab nur ganz wenige vorsommerlich warme Tage, während es nachts immer wieder stark abkühlte. Die Wetterlagen änderten sich häufig und in rascher Folge.

Auslaufen - der erste Schlag

EB Schmetterling by night
Schmetterling by night

 

Sasnitz
Sassnitz Kreideküste 2
Sassnitz und Kreiseküste 

 

Für Sonntag, den 3. Mai war zuerst leichter Südwind, später Windstärke vier bis fünf Bft (ca. 20 Kn) aus Südwest bis West angesagt. Dies wollten wir ausnützen, um mit einem Nachtschlag direkt Bornholm anzusteuern.
Der ersehnte Wind liess lange auf sich warten. Den ganzen Tag dümpelten wir in schwachen umlaufenden Winden Richtung Osten und mussten stundenlang den Motor zu Hilfe nehmen. Erst gegen 22 Uhr frischte es bei Darsser Ort auf, so dass wir unter Segel flotte Fahrt machen konnten.
Die Segel in Schmetterlingsstellung (Vorsegel auf Steuerbordbug, Grosssegel auf Backbordbug), bestaunten wir den wunderschönen Sternenhimmel.
Zwischen Ein- und Vieruhr nahm der Wind stärker als vorausgesagt zu, so dass wir Segelfläche reduzieren mussten. Mond und Sterne versteckten sich hinter einer dicken Wolkendecke. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Bei Kap Arkona frischte es auf sechs bis sieben Beaufort auf, in Böen acht bis neun (ca. 40 Knoten). Ohne Schlaf waren wir recht müde geworden und beschlossen deshalb, Sassnitz anzulaufen und uns erst mal zu erholen.
Dort stellten wir mit Entsetzen fest, dass wir beim Einbinden des zweiten Reffs in der Dunkelheit das Grosssegel beschädigt hatten. Beim Fieren des Grossfalls hatte das Vorliek an einer Maststufe eingehängt, beim anschliessenden Durchsetzen des Falls entstand ein hässlicher Riss im Segel. Zum Glück gibt es einen Segelmacher in Sassnitz, der das Segel noch am gleichen Tag reparierte.

Bornholm

Rönne Kirche 2
Kirche von Rönne

 

2 Tage warteten wir in Sassnitz auf den richtigen Wind. Dann ging es weiter nach Bornholm - ein wunderschöner Segeltag.
Eigentlich wollten wir
etwa eine Woche auf der Insel verbringen. Wegen unserem Päckli (s. unten) wurden es dann ein paar Tage mehr.
So hatten wir ausgiebig Zeit die Insel anzuschauen. Zu Fuss besichtigten wir Rönne, die Hauptstadt. Eine Velotour führte uns über Hasle nach Allinge, eine andere in den Wald von Almindingen und eine dritte zum nördlichen Leuchtturm von Bornholm und zum Hammershus. Nach Svaneke an der Ostküste nahmen wir den Bus.

Das Express Paket

Eigentlich waren wir total selbst schuld. Den ganzen Winter hätten wir Zeit gehabt, Papierrollen für unseren relativ alten, aber immer noch zuverlässigen Navtex Empfänger (zum Empfang von Wettervorhersagen und Navigationwarnungen) zu besorgen.
Aber nein, erst am 29. April bestellten wir den Artikel beim einzigen Schiffsausrüster in Deutschland, der diesen Artikel noch führt. Es wurde vereinbart, das Paket mit Paketkurier express zu senden, damit wir es am nächsten Tag erhalten sollten.
Doch weit gefehlt: über Nacht hatte das Paket gerade mal ein Verteilcenter zwischen Hamburg und Lübeck erreicht und blieb dort vier Tage liegen, da am 1. Mai und dem Wochenende keine Expresspakete Zustellung stattfanden.
Da wir zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs waren, versprach unsere Werft in Burgstaaken das Paket nach Bornholm weiter zu senden.
Normalerweise braucht ein Paket von Deutschland nach Dänemark zwei bis drei Tage. Als wir nach mehr als einer Woche Warten immer noch kein Paket hatten, erstellten wir bei der Post in Rönne einen Suchrapport.
Am Tag darauf wurde es lokalisiert. Als wir es öffneten, lag ein Schreiben der Dänischen Post dabei, dass das Paket in Postcenter Kopenhagen beschädigt worden sei. Falls etwas fehle oder sonst nicht in Ordnung sei, sollten wir uns melden. Zum Glück war das nicht nötig.
Das Paket verzögerte unsere Weiterreise um einige Tage. Diese Zeit nutzte Vreni um den Internetauftritt teilweise zu überarbeiten.

Christiansö

Christiansö Ansteuerung
Christiansö Ruths Fisch
Christiansö: Ansteuerung und Ruth's Fischladen  

 

Die karge felsige Inselgruppe etwa 12 Seemeilen nordöstlich von Bornholm hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit. Früher ein militärischer Stützpunkt, heute eine kleine Insel mit rund 110 Einwohnern und einer kompletten Infrastruktur.
Teile der jahrhundertealten Festungsanlage sind noch gut erhalten und sehenswert. Die Gebäude wurden zum Teil mit dem Gesteinsmaterial gebaut, das sich beim Heraussprengen des Hafens ergab. Diese Granitsteine wurden auch exportiert. Auf dem Rückweg führten die Schiffe Erde auf die Insel, so dass der karge Boden nun auch bebaut werden konnte.
Unser Spaziergang über die Insel führte uns auch an Ruth's Fischladen vorbei. Hier kauften wir eingelegten Kräuterhering, eine Spezialität, die in Seglerkreisen sehr bekannt ist.

Öland

Ismantorp Burg 1
Fluchtburg von Ismantorp
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Windmühlen von Störlinge        
Den südlichen Teil von Öland hatten wir im Vorjahr besucht. Dieses Mal wollten wir uns den Norden ansehen. Von Borgholm aus unternahmen wir zwei längere Veloausflüge, die uns zu einigen sehenswerten Zielen führten: zum Borgholm Slott – eine Burganlage aus dem Mittelalter und nach Solliden – der Sommerresidenz der schwedischen Königsfamillie, zum Gräberfeld von Karum, zu den Resten der Fluchtburg von Ismantorp, zu den sieben Windmühlen von Störlinge, zum Naturschutzgebiet von Knisa Mosse und zu der grössten Windmühle auf Öland in holländischen Stil bei Sandvik.
Auf eine weitere Tour von Byxelkrok aus verzichteten wir, da uns die Windprognose zur Weiterfahrt veranlasste.

Amerikanische Oldtimer

Borgholm Olttimer 4 Borgholm Olttimer 8
Oldtimer in Borgholm
In Schweden gibt es viele Liebhaber von alten amerikanischen Autos. An den Wochenenden unternehmen sie oft Fahrten über Land und zeigen mit Stolz ihre gepflegten und chromglänzenden Fahrzeuge.
Als wir in Borgholm auf Öland waren, fand gerade so ein Treffen statt. Dutzende, wenn nicht hunderte von Chevrolets, Fords, Pontiacs, Cadillacs etc. fuhren einen Rundkurs durch die Stadt. Aus einigen Autos dröhnte laut rockige Musik und viele Leute (nicht die Fahrer) schütteten fleissig Bier in sich hinein. Am Strassenrand verfolgten viele Zuschauer die fröhliche Parade.
Das langsame Fahren bekam nicht allen Motoren gut. Mindestens ein Auto wurde mit kochendem Kühlerwasser aus dem Verkehr gezogen und andere verursachten eine Auffahrkollision.

Gotland

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Visby

 

Gotland Folhammar Raukar 1
Raukar  

 

 

Gotland hat viel mehr zu bieten als man in ein paar wenigen Tagen besuchen kann.
Auf verschiedenen Stadtrundgängen besichtigten wir die Altstadt von Visby innerhalb der gut erhaltenen Ringmauer aus dem Mittelalter. Trotz verschiedenen Baustilen aus verschiedenen Epochen wirkt das Stadtbild einheitlich und hat seinen besonderen Charakter bewahrt.
Um möglichst viel über die Geschichte und Vergangenheit Gotlands zu erfahren, waren wir im historischen Museum Fornsalen. Hier sind die grössten Silberschätze aus der Vikingerzeit ausgestellt.
Auf unserer Fahrt in den Süden und Osten der Insel besuchten wir eindrückliche Felsklippen (Raukar) am Meer, Schiffssetzungen aus der Vikingerzeit, den ältesten Bauernhof aus dem Mittelalter und Reste einer Fluchtburg, die als solche kaum mehr zu erkennen war. Aber die Aussicht von hier aufs Meer war herrlich.
Schön war auch die Fahrt über das flache, weite Land und durch die ausgedehnten Wälder.
Von den 92 Kirchen Gotlands wollten wir einige besichtigen. Leider waren sie bis auf zwei Ausnahmen alle geschlossen.

Der Kommissar und das Meer

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Das Filmteam        

 

In Visby durften wir vom Schiff aus hautnah mitverfolgen, wie Filmaufnahmen für den Krimi 'Der Kommissar und das Meer' gedreht wurden.
Unglaublich, wie viele Personen und welche Menge an technischem Material gebraucht werden, um ein paar Einstellungen zu filmen.
Wir sahen an diesem Nachmittag wie die drei folgenden Szenen gedreht wurden: Der Kommissar geht über den Steg zu einem Segelboot geht, zeigt seinen Ausweis und spricht einige Sätze mit einem Mann. In einer anderen Szene sitzen ein Mann und eine Frau diskutierend und rauchend auf dem Vorschiff. Dann folgt noch eine Einstellung quer über die Marina.

Vielleicht ist nun unser Bug oder das Heck in einem Krimi zu sehen.

'Sailing with a friend'

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Rönne: Ankunft eines Teilnehmer und der Yachthafen  

 

Visby war Etappenort dieses Anlasses für Fahrtenyachten mit zwei Mann Besatzung.
Start und Ziel war Oxelösund. Auf dem Rückweg wurde noch Oskarshamn angelaufen. Das sind in der Luftlinie total ca. 225 Seemeilen.
In Visby und Oskarshamn war je nach Bootsklasse eine Erholungspause von fünf bis sieben Stunden angesagt. Das hiess, dass sich die beinahe leere Marina innerhalb weniger Stunden komplett füllte und anschliessend wieder leerte. Es war ein ständiges Kommen und Gehen.
Auf der ersten Etappe herrschte starker Gegenwind und es regnete in Strömen. Die schnellste Yacht war etwa 12 ½ Std. unterwegs. Man sah den Konkurrenten an, dass sie eine anstrengende, nass-kalte Nacht hinter sich hatten. Ihre Leistung verdiente unseren Respekt. Wir wären bei solchen Bedingungen sicher nicht ausgelaufen.