Törnbericht August 2005  

 

 

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Route August 2005 Lavrion – Porto Rafti – Ns Xero – Porto Rafti – Lavrion – Hydra - Ns Chinitsa – Kyparissi – Monemvasia – Ns Elafonisos – Porto Kagio – O. Dyros – Methoni – Pylos – Katakolon – Kyllini – Patras – Mesolongi – Vathy (Ithika) – Riposto (Sizilien)
Allgemeines Der Monat August wird uns mit vielen guten, aber auch einigen weniger guten Erlebnissen in Erinnerung bleiben. Wegen des möglicherweise nicht fachgerecht durchgeführten Ölwechsels verbrachten wir viel Zeit im wenig attraktiven Lavrion.
Diese Tatsache, unklare Zuständigkeiten im Hafen Lavrion, enttäuschende Windverhältnisse rund um den Peloponnes sowie ein paar Pleiten, Pech und Pannen liessen uns fragen, ob die ungefähre Halbzeit unserer Segelsaison 2005 nun Höhe- oder Tiefpunkt sei. Zum Glück vergisst man das Unangenehme schnell und erinnert sich bald nur noch an die erfreulichen Erlebnisse. Sehr schön war die Zeit mit Urs und Jacqueline Scherer. Nun schauen wir wieder mit Freude und Begeisterung in die Zukunft. Italia – qui siamo!
2000 sm Am 27. August um 16h59’33’’ bei Logstand 3426.4 waren wir genau 2000 sm unterwegs.
1.August auf der Akropolis Die Zeit zwischen dem Abflug des Segel montierenden Freundes Fredy Iseli und dem Nachtessen mit Hansruedi’s Freund und ehemaligen Assistent in Dhahran, Costas Bouboukis, nutzten wir für einen Ausflug in die Stadt Athen. Es war heiss an jenem Nachmittag. Schon beim Bummeln durch die Stadt floss der Schweiss. Zum Abkühlen ging es ab und zu in einen klimatisierten Laden oder in ein Warenhaus. Dass wir mitten am Nachmittag zur Akropolis hinauf und wieder hinunter stiegen, kann nur daran liegen, dass wir seit Leros und Chios keine Velo-Bergrennen mehr gefahren sind. Der Ausflug hat sich aber gelohnt.
’Öl’ soweit das Auge reicht Für Nicht-Segler: von Öl spricht man, wenn kein Wind weht und die See spiegelglatt ist.
Dieses Phänomen hatten wir im August recht oft. Speziell, wenn lange Tagesetappen vorgesehen waren, liess der Wind oft auf sich warten. Was soll’s, wir mussten das Wetter nehmen, wie es war und stundenlang motoren!
Dafür hatten wir zur Einweihung unseres neuen Vorsegels wunderschönes Segelwetter. Zuerst eine leichte Brise, die allmählich auffrischte, bis zu einer Windstärke von 6 Bft. Mit dem neuen Segel können wir nun höher an den Wind als mit dem Trecker und das Handling ist viel, viel einfacher – ausröllelen, einröllelen, Segelwechsel (Fock/Leichtwindgenua). Weil alles so schnell geht, nutzen wir es jetzt auch besser aus.
Der erste Regen nach fast 4 Monaten Das Thermometer kletterte anfangs August bis über 35 Grad am Schatten. Schon bei der kleinsten Bewegung begannen wir zu Schwitzen. Müsste das schön sein, wenn es endlich wieder einmal regnen würde. In Badehosen würden wir den Regen geniessen.
Am 6. August war es dann soweit. Während 10 Minuten goss es in Strömen. Vreni schaute aus dem gedeckten Cockpit dem Regen zu. Statt eines Badeanzuges holte sie sich aber einen dicken Pullover, weil es bis auf 25 Grad abkühlte! Hansruedi benutzte die Gelegenheit, um Luken- und Fensterscheiben sowie das Deck mit dem Gratis-Süsswasser zu reinigen.
Pleiten, Pech und Pannen Das Ganze begann damit, das Hansruedi’s T-Shirt ’sailing east’, ’go west’ machte. Beim Trocknen wehte es der Wind auf der Westseite unseres Schiffs ins Hafenbecken. Das Ganze ging so schnell, wir bemerkten den Verlust erst später.
Während der Zeit im Hafen von Lavrion gab man uns zu verstehen, dass wir hier eigentlich unerwünscht waren. Die Muringleinen gehören den Charterfirmen. Wasser- und Strominstallationen vermutlich ebenfalls, outgesourced (?) und für Gäste nicht nutzbar. Fehlte dem Hafenmeister ein WC-Schlüssel, oder wusste er nicht mehr welche Schiffe die Hafengebühr bereits bezahlt hatten – Hansruedi musste der Schuldige sein. Dabei wussten wir nicht mal, dass es im Hafen WC’s für die Yachties gab.
Froh endlich hier wegzukommen, motorten wir - da der Wind uns wieder einmal im Stich liess - in eine wunderschöne Ankerbucht auf der Insel Xero, westlich von Euböa. Unterwegs ging unsere neue Pütz (schwarzer Kessel) über Bord. Kaum dort angekommen, stellten wir fest, dass der Motor seit dem Ölfilterwechsel literweise Öl verloren hatte. Irgendetwas schien mit der türkischen Ölfilterdichtung nicht in Ordnung zu sein. Ohne Motor kein Laden der Batterien, keine Kühlung, auch kein kühles Bier! Deshalb entschieden wir, nach Rafti zurückzusegeln, um dort neue Ölfilter zu kaufen.
Als wir das Dingi mit Hilfe des Reservefalls an Deck holen wollten, zeigte sich, dass sich das Reservefall mit dem Fockfall vertörnt hatte – für Hansruedi bedeutete dies einen Ausflug auf den Mast.
Noch vor dem Raufholen des Ankers, verhedderte sich eine private Muringleine in unserer Schraube. Zum Glück hatte Vreni dies bemerkt, bevor wir den Motor starteten. Der Tauchversuch, um diese zu Lösen, endete für Hansruedi mit einer tiefen Schnittwunde im Fuss.
Und einige Tage später fiel Vreni dann noch den Niedergang runter – aber auch ein blau, grün, gelber Rücken kann entzücken – weiter hat es nichts gemacht.
Tropfsteinhöhlen von Dirou Mit zahlenden Gästen an Bord macht man sich Gedanken, was man denn als Landausflug vorschlagen soll. In unseren nautischen Reiseführern wird ein Besuch der Tropfsteinhöhle von Dirou empfohlen. Sie sind wirklich sehenswert und gelten als eine der grössten Europas mit einem der drei grössten unterirdischen Seen der Welt. Von 33,2 km sind 6,2 km erschlossen. Auf einer eindrücklichen Fahrt in einem kleinen Boot sieht man Tausende von Stalaktiten und Stalagmiten, von ganz feinen bis zu grösseren, in denen man sich, je nach Fantasie, Köpfe, Statuen oder andere Skulpturen vorstellen kann.
Chaos von Hydra Hydra ist eine Reise wert – speziell wenn einem ein Segelschiffchaos gefällt!
Bei unserer Ankunft um 17 Uhr fanden wir nur noch einen Platz in der dritten Reihe, d.h. vor uns lagen bereits 2 Reihen Segelschiffe und hinter uns füllte sich auch noch die 4. Reihe. Eingepfercht lagen wir, wie Sardinen in einer Büchse! Gegen den Steg wurde mit Leinen am direkt vor uns liegenden Schiff festgemacht. Richtung Hafenbecken schmissen auch wir unseren Anker – ein fertiger Ankersalat! Um an Land zu gehen, mussten wir über die beiden vor uns liegenden Schiffe klettern.
Der nächste Tag begann damit, dass ein Grieche seinen Anker quer durchs Hafenbecken schleifte – nun war das Chaos perfekt. Auch wir brauchten eine gute Stunde um unseren Anker von den Ankern unserer drei Nachbarn zu befreien.
Griechische Restaurants In der ersten Reihe am Quai oder an einer Piazza sind selten die besten Restaurants, aber sicher die teuersten. Auf der Suche nach einem guten, typischen Restaurant in der zweiten Reihe in Pylos landete Jacqueline einen Volltreffer. Sauber, gepflegt und mit einem kühlen Patio mit Pflanzen hinter dem Haus. Wir freuten uns aufs Nachtessen. Menu – oder Weinliste ? Das gibt es dort nicht. Die ganze Schar wurde in Richtung Küche geführt, wo uns die Chefin stolz alle Pfannen und Schüsseln mit den vorbereiteten Speisen zeigte und erklärte. Die Bestellung wurde auch gleich dort aufgenommen. Das Essen war super.
Das Ankermanöver In Porto Kagio wurden wir nach Abschluss des in unseren Augen perfekten Ankermanövers vom Einhandsegler auf der „Brezza Gentile“ aufs Übelste beschimpft. Wir lägen viel zu nahe, falls Starkwind aufkäme. Wir schätzten sowohl den Halt unseres Ankers wie auch den Abstand zu ihm als gut ein. Trotzdem verholten wir etwa zwei Schiffslängen weg von ihm, bevor wir das Schiff für einen kurzen Landgang verliessen. Von weitem sahen wir Böen durch die Bucht fegen. Wieder an Bord, stellten wir fest, dass wir etwas näher bei „Brezza Gentile“ lagen als nach dem ersten Anker setzen. Der Anker hielt also nicht mehr. Um weitere Diskussionen zu vermeiden, verholten wir in eine andere Bucht, wo wir eine ruhige Nacht verbrachten.
Die Überfahrt nach Sizilien 2 Tage und 1 Stunde waren wir unterwegs und erlebten die verschiedensten Bedingungen von Flaute bis Starkwind mit hohen Wellen. Obwohl kein Sturmwind angesagt war, bestand doch Gewitterwarnung mit Sturmböen. Die Gewitter konnten wir in einiger Ferne beobachten und Regen fiel ohne von mehr Wind begleitet zu sein.
Wir waren froh, dass wir den stärksten Wind mit 4 m hohen, teils brechenden Wellen noch bei Tageslicht hatten und nicht in finsterer Nacht. Etwa 270 sm am Stück war für uns beide die längste Etappe in unserem bisherigen Seglerleben. Es zeigte auch, woran wir in Zukunft noch arbeiten müssen, um wirklich lange Etappen problemlos zu bewältigen. Die gesegelten Abschnitte steuerten wir von Hand, während unter Motor der Autopilot benutzt wurde. In Zukunft wollen wir die Windfahnenselbststeuerung benutzen, um uns vom Rudergehen zu entlasten. Damit diese gut funktioniert, muss die Besegelung möglichst ausgeglichen getrimmt sein. In diesem Punkt können wir uns noch verbessern.