Törnbericht August 2006  

 

 

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Route August 2006 La Rochelle - Bourgenay – St.Gilles-Croix-de-Vie – Pornichet – Le Croisic – Golf de Morbihan – Vannes – Port Haliguen – Sauzon – Port-Tudy – Concarneau – Port-la-Forêt – Loctudy – Audierne – Douarnenez – Morgat – Camaret – Brest – L’Aber-Ildut – L’Aber-Wrac’h – Roscoff – Ploumanac’h
Allgemeines Auch im Monat August kamen wir planmässig voran. Allerdings mussten wir wieder oft den Motor zu Hilfe nehmen, da der Wind uns zeitweise im Stich liess. Zwei Traumdestinationen, die Île de Yeu und die Îles de Glénan mussten wir auslassen und liefen als Alternativen St.Gilles-Croix-de-Vie und Concarneau an. In Concarneau fanden wir jedoch keinen Platz und mussten in eine Ankerbucht ausweichen. Concarneau besuchten wir dann vom nahen Port-La-Forêt aus.
Je länger je mehr stellten wir fest, dass Early Bird nicht mehr so schnell lief wie Anfangs Saison. Woran mochte es liegen? Lief der Log-Geber nicht mehr rund oder liess die Motorleistung nach? War der Propeller noch OK? Wie viel Geschwindigkeit verliert ein Schiff durch Algenbewuchs im Unterwasserbereich? Schon lange wollten wir trocken fallen, um Klarheit zu erhalten. In Roscoff taten wir es.
Vom 5. August bis Ende Monat hatten wir Gäste an Bord: Von La Rochelle bis Vannes war Marc Imfeld, ein früherer Arbeitskollege von Hansruedi, mit uns. Von Vannes bis Brest begleiteten uns Niklaus und Françoise Ölhafen und von Brest bis St. Malo Silvia Frei.
Wind und Wetter Das Azorenhoch bestimmte während fast dem ganzen Monat August die Winde in unserer Region. Es herrschte meist Schwachwind. Bis zur Pointe du Raz, südlich von Brest, hatten wir oft Nordwestwind (also weiterhin auf die Nase). Ab Brest machten sich vermehrt Tiefdruckzonen bemerkbar, die uns Südwest- und Westwind (endlich) aber auch kaltes und nasses Wetter brachten .
Nautische Herausforderung Die Bretagne ist ein Gezeitenrevier und bietet einige nautische Leckerbissen und navigatorische Herausforderungen wie die Einfahrt zum Golf de Morbihan und einige Passagen innerhalb des Golfes, die Pointe du Raz, den Goulet de Brest, den Chenal du Four. An all diesen Orten müssen Wind- und Strömungsbedingungen stimmen Der optimale Zeitraum für die Durchfahrt muss berechnet werden.
Die ruhigsten Bedingungen herrschen zum Zeitpunkt, wo die Strömung ’kentert’. So heisst die ruhige Phase zwischen abflauendem Ebbstrom und beginnendem Flutstrom. Wenn Wind und Strom in die gleiche Richtung wirken, kann man dies auch ausnützen und Rekordgeschwindigkeiten über Grund erreichen. Die Kabbelwellen und Stromwirbel an Seezeichen und zwischen den Felsen sind beeindruckend. Starkwind gegen den Strom bedeutet grobe See und gefährliche Bedingungen. Dann wartet man besser auf ein neues Zeitfenster.
Auch der Tidenhub, das heisst die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser, wird gegen Norden immer grösser und erreicht bei St Malo und den Kanalinseln bis zu 12 Meter.
Viele Häfen können nur eine gewisse Zeit vor oder nach Hochwasser angesteuert und verlassen werden. Die Tagesetappen wollen genau geplant sein. Auch lohnt es sich, schon die folgenden Tage zu planen. Sonst könnte man wie z.B. im Hafen von Perros Guirec bis zu vier Tagen hängen bleiben, weil die Hochwasser zu wenig hoch sind, um die Ausfahrt zu ermöglichen.
Kouign Amann In der Hochsaison sind in Frankreich die Häfen oft überfüllt. Meisten legen die Besucher in einem Hafen längsseits an einen Steg an. Hat es keinen Platz mehr am Steg, wir eine zweite Reihe gemacht; d.h. man liegt im Päckli, zwei oder drei Schiffe nebeneinander.
In Duarnenez waren wir sehr früh, deshalb konnten wir unseren Platz am Steg noch aussuchen. Als wir vom Stadtrundgang zurückkamen, hatten wir einen Katamaran im Päckli. Unsere neuen Nachbarn, eine fünfköpfige französische Familie, entschuldigten sich als erstes, dass sie bei uns ohne zu fragen angelegt hatten. Anschliessend halfen sie sogar Hansruedi beim Ausladen unserer Velos. Das Schiff betraten sie immer barfuss, die Schuhe in der Hand mittragend. Für unsere Gastfreundschaft versprachen sie uns lachend sogar Gipfeli zum Frühstück
Am nächsten Morgen hatten wir die Gipfeli bereits wieder vergessen. Wir staunten nicht schlecht, als es klopfte und unsere netten Nachbarn uns eine ’Kouign Amann’ eine bretonische Spezialität mit viel Butter, Mandeln und Zucker brachten. Nochmals herzlichen Dank, wir haben diese köstliche Torte genossen.
Port-Tudy Port-Tudy ist ein ganz spezieller Hafen. Früh am Nachmittag liefen wir dort ein und machten am Anfang des Bojenfeldes zwischen 2 Bojen vorne und hinten am Schiff fest. Dieser Platz wurde uns von einem der 3 Marina-Mitarbeiter, die mit Gummibooten unterwegs sind, zugewiesen.
Da der Hafen relativ klein ist, müssen mehrere Schiffe an den gleichen beiden Bojen festmachen. Die Schiffe liegen also im Päckli, genau wie sonst am Steg!
Während fast drei Stunden sassen wir im Cockpit und staunten. Laufend liefen weitere Segel- oder Motorboote den Hafen an. Manchmal kamen gleichzeitig bis zu vier Schiffe. Jedes einzelne Schiff wurde von einem Marineros begrüsst und an einen Bojenplatz geführt. Unglaublich, wie viele Schiffe auf dieser kleinen Fläche untergebracht wurden.
Gegen Abend bedeckte ein Teppich von vielen Schiffen die Marina, so dass man beinahe von einem Ende des Hafens zum andern Ende trockenen Fusses über die vielen Schiffe steigen konnte.
Trockenfallen Eigentlich wollten wir schon lange Trockenfallen um das Unterwasserschiff zu inspizieren. Ende August war es dann in Roscoff soweit.
Der Hafen weist in der Karte eine Tiefe von minus 5 m aus, d.h. nur während des Hochwassers ist es tief genug, um in den Hafen einzulaufen. Bei Niedrigwasser ist es im Hafen trocken, sämtliche Schiffe stehen auf ihren Kielen und man kann trockenen Fusses durch den Hafen gehen.
Das erste Niedrigwasser war in der Nacht und wir verschliefen Early Bird’s erstes Trockenfallen. Zwölf Stunden später konnten wir dann miterleben, wie das Wasser sich langsam zurückzieht und Early Bird sich auf seine beiden Kiele stellte.
Wir staunten recht, als wir unser Unterwasserschiff sahen. Der blaue Anstrich hatte einen dicken grünen Pelz bekommen.
Den vermeintlich schwachen Algenbewuchs wollte Hansruedi mit einem Schwamm oder einer weichen Bürste abwischen, um den Unterwasseranstrich nicht zu beschädigen. Der Bewuchs war aber viel stärker und haftete mehr als angenommen. Während 3 Stunden schrubbten wir den Rumpf und den Propeller, bis der blaue Unterwasseranstrich wieder beinahe so strahlte wie im Frühling.
Das erfreuliche Resultat der Aktion ist, dass Early Bird nun wieder ganze zwei Knoten schneller läuft.
Aufgebrummt Von Roscoff aus wollten wir nach Lézardrieux. Zuerst kamen wir dank dem wieder sauberen Unterwasserschiff ganz flott voran. Wir konnten bei besten Bedingungen segeln. Da der Wind uns aber nach einigen Stunden wieder einmal mehr im Stich liess und wir nicht stundenlang motoren wollten, steuerten wir nach Ploumanac’h.
Es war Niedrigwasser und wir wollten deshalb an einer Warteboje festmachen um zu warten, bis genug Wasser über der Schwelle des Hafenbeckens war. Auf dem Weg zur Boje, innerhalb des Fahrwassers bei einer Tiefenangabe von 1.80m gab es plötzlich einen Knall, einen Ruck durch das Schiff und ein kratzendes Geräusch. Wir waren kurz auf einem Stein aufgesessen!
Geschockt fuhren wir bei Tiefen um 1.80 bis 2.10m weiter. Unser Tiefgang ist ja nur ca. 1.50m. Da die Wartebojen alle besetzt waren, ankerten wir am Rande des Fahrwassers. Hansruedi nutzte die Wartezeit, um mit Schnorchel und Brille den Schaden zu erfassen. Erleichtert konnte er feststellen, dass die Struktur des Kiels noch intakt ist. Nur die vordere, untere Spitze ist ganz leicht verbogen. Mit der Reparatur kann gewartet werden bis ins Winterlager.
Die wunderschöne Bucht von Ploumanac’h konnten wir trotzdem geniessen.
Delphine im Hafen Wir sassen in Audierne auf dem Schiff beim Nachtessen, als uns Françoise auf grosse Wasserspritzer neben dem Schiff aufmerksam machte. Was konnte das wohl sein, wohl wieder ein kleines Motorboot, oder …
Etwas später klärte sich das Rätsel. Ein Delphin hatte sich im Hafen verirrt. Während Stunden konnten wir ihm zusehen, wie er seine Runden schwamm und seine Sprünge vorführte.
In Morgat trafen wir ebenfalls einen Delphin in der Marina. Dieses Tier schwamm den Gummibooten nach, teilweise war es sogar so nahe, dass Kinder aus den Gummibooten ihn berühren konnten.
Beide Tiere zogen sich über Nacht aber wieder ins offene Meer zurück.
Volltreffer Schon oft fragten wir uns, wann es uns das erste Mal erwischt. Bereits im Port Napoléon betrachteten wir die Möven immer etwas kritisch und zogen, speziell wenn ganze Mövenschwärme über uns flogen, jedes Mal den Kopf ein. Nun hat es Hansruedi erwischt. In L’Aber-Ildut gelang es einer Möve, einen Volltreffer auf Hansruedi Glatze zu landen!
Wasser im Schiff Eigentlich müsste man sagen, Tröpfchen im Schiff. Hauptsächlich über Vrenis Bett und an einer weiteren Stelle über dem Salontisch tröpfelt bei starkem Regen etwas Wasser herein. Das war an und für sich nicht ganz neu, störte uns aber letztes Jahr im Mittelmeer und dieses Jahr während den mehrheitlich trockenen Monaten wenig. Auf unserem Weg nach Norden regnete und tröpfelte es aber immer öfter. Im nächsten Jahr werden die Fenster neu abgedichtet, aber so lange konnten wir nicht mehr warten. Mit einer durchsichtigen Dichtungsmasse gelang es, die Fenster provisorisch abzudichten. Seither schläft Vreni auch bei Regen wieder im Trockenen.
Sailing Swiss III Als Mitglieder des Cruising Clubs der Schweiz verfolgen wir den Törnplan der Clubschiffe um zu schauen, ob sich eines der Schiffe in unserer Nähe befinde. Wir rechneten aus, dass wir in der Region von St. Malo vielleicht der Cruising Swiss begegnen könnten.
Nicht schlecht staunten wir, als in L’Aberwrac’h plötzlich die Sailing Swiss, die wir in Südengland vermuteten, am Steg festmachte, während wir an einer Boje hingen. Wir hatten schlicht vergessen, dass sportliche CCS-Crews in 14 Tagen locker mal über den Channel und wieder zurück segeln. (Hat Hansruedi früher doch auch gemacht).
Freudige Begrüssung der Crew um Patrick Weibel, dann Apéro und Gruppenbild an Bord der Sailing Swiss, anschliessend unsere Einladung zum Apéro an Bord der Early Bird am nächsten Tag in Roscoff. So verlief das kurze Treffen in L’Aberwrac’h.
Gar-grillen In unsere Bordküche haben wir auch einen speziellen Grill, einen Cobb Grill: klein, kompakt, super isoliert, um als Cockpit- oder Tischgrill verwendet zu werden. Wenn wir uns etwas ganz Spezielles leisten wollen, wird im Grill mit wenig Holzkohle und einer speziellen Zündpaste in kleinen Plastiksäckchen eingefeuert. Kurze Zeit später können wir ein feines Stück Fleisch oder einen Fisch braten.
Anfangs Monat kauften wir auf dem Markt ein schönes Stück Rindsfilet. Hansruedi schnitt kleine Stücke, und dann wurde der Grill angefeuert. Wie oben beschrieben ein wenig Holzkohle, eine Portion Zündpaste... nur eben genau diese speziellen Zündpaste war unauffindbar. Nach längerem Suchen versuchten wir es zuerst mit uralten Carbofix und anschliessend mit Streichhölzern. Die Holzkohle wollte einfach nicht richtig brennen. Nach geraumer Zeit gab es endlich ein wenig Glut. Da wir schon fast verhungert waren, wurde das Fleisch auf den Grill gelegt. Nach einigen Minuten war das schöne Stück Fleisch zu einem Saftplätzli degradiert.
Das restliche Fleisch wurde dann in der Bratpfanne gebraten. Die Zündpaste fanden wir erst viel später und zwar genau dort, wo sie immer war!