Törnbericht Juli 2006  

 

 

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Route Juli 2006 Leixoes (Porto) – Viana do Castelo – Bayona – Sta Eugenia de Riveira – Muros – Camariñas – La Coruña – Cedeira – Espasante – Cariño – Vivero – Ribadeo – Gijon – Ribadesella – San Vicente da la Barquera – Santander – Laredo – Bilbao – La Rochelle
Allgemeines Wir haben nun etwa Halbzeit in unserer Saison 2006 und machten uns Gedanken darüber. War es so, wie wir es uns vorgestellt hatten? Haben sich unsere Erwartungen erfüllt?
Die iberische Halbinsel haben wir umrundet und sind nun bereits in Frankreich, sind also planmässig vorangekommen. Wir haben an schönen Orten angehalten und uns Zeit genommen, Städte und Ortschaften anzuschauen. Aber wir sind auch an vielen schönen Orten vorbeigefahren. Unsere Velos liessen wir viel zu oft an Bord. Um den Zeitplan einzuhalten, mussten wir oft den Motor zu Hilfe nehmen. Sei es, weil es zu wenig Wind hatte oder weil er genau gegenan blies.
Würden wir das gleiche nochmals machen, mit diesem Schiff? Eher nein, bessere Kreuzeigenschaften wären nötig, um auch gegen die vorherrschenden Winde voran zu kommen. Erst im Nachhinein kam Hansruedi auf den Gedanken, man hätte sich in Port Napoléon bei den Schiffstransporteuren nach einer günstigen Leerfahrt Richtung Norden erkundigen können…
Wind und Wetter Für eines danken wir Neptun: er verschonte uns vor Stürmen. Wir rundeten die gefürchteten Kaps in Galizien bei Flaute unter Motor. Der Wind blies meist aus der angesagten Richtung. Diese war, das wussten wir aus den Revierführern, an der Westküste aus Nordwesten und in der Biskaya aus Westen, im Sommer aber häufig auch aus Nordosten. Diesen letzten Satz hatte Hansruedi seit der ersten Lektüre des Führers allerdings vergessen. Gross war unsere Enttäuschung, dass nach unserem Abbiegen gegen Osten der Wind ebenfalls drehte und ständig auf die Nase blies.
Wie würde es aussehen für unsere Überfahrt nach La Rochelle? Gespannt verfolgten wir die Windprognosen und konnten es kaum glauben: endlich mal Westwind und im Seegebiet von La Rochelle sogar aus Südwesten. Das bedeutete stundenlanges Segeln bei besten Bedingungen und ein Bisschen Versöhnung mit Rasmus.
Bei den Temperaturen erlebten wir starke Schwankungen. Häufig war es bewölkt, kühl und feucht, dann aber auch wieder schön warm. Die einheimischen Touristen waren meist leicht bekleidet und viele badeten im Meer, während wir Pullover trugen. Beim Gedanken an ein Bad im Meer begannen wir bereits zu frösteln.
Nebel Nebel sei nicht ungewöhnlich im Sommer an dieser Küste, sagt der Revierführer. Wir können das nun bestätigen! An drei Tagen herrschte Nebel, der sich nur nachmittags mehr oder weniger auflöste. Die Ansteuerung der Marina von Ribadeo brachen wir ab und ankerten in einer vorgelagerten Bucht. Auf der Fahrt von Ribadeo nach Gijon lief ständig der Radar, damit wir andere Schiffe rechtzeitig erkennen konnten. Die Sicht war zum Teil weniger als hundert Meter und es herrschte eine eigenartige Stimmung, wenn die Wasserlinie nahtlos in den Nebel übergeht. Man fühlt sich wie in Watte eingehüllt und verliert leicht die Orientierung.
Eingeweht In der Ensenada de Santa Marta blieben wir länger als geplant. Schon bei der Ansteuerung wehte ein kräftiger Nordostwind, sodass wir froh waren, beim Hafen von Espasante geschützt vor Anker gehen zu können. Allmählich wirkte der zunehmende Schwell sich auch am Ankerplatz aus und es wurde eine unruhige Nacht. Am Morgen schien es zuerst etwas weniger zu blasen als am Vortag. Ausserhalb des Hafens sah es anders aus. Über 20 Knoten Wind und recht hohe Wellen, was für uns ein mühsames Aufkreuzen bedeutete. Also verholten wir in den nahe gelegenen Hafen von Carino, wo wir uns eine ruhigere nächste Nacht versprachen. Daraus wurde nichts, denn der Schwell wirkte auch hier bis weit in das Hafenbecken hinein. Dafür war einiges los im Hafen. Wir verfolgten aufmerksam das Beladen eines grossen Frachters mit Kies. Auf einem anderen Frachten wurden riesigen Kisten mit dem ebenso riesigen schiffseigenen Kranen entladen. Zudem beobachteten wir ein französisches Fischerboot mit Motorpanne, das von einem anderen Fischerboot eingeschleppt und an den Quai bugsiert wurde.
Nach einer weiteren, unruhigen Nacht vor Anker konnten wir am nächsten Tag unsere Reise fortsetzen.
Ankern Endlich ankerten wir wieder öfter als an der Süd- und Westküste Portugals. Zum Teil freiwillig, zum Teil weil die Plätze an den Quais schon besetzt waren.
Wunderbar gefiel es uns in der gut geschützten Bucht von Cedeira, wo wir, wie in Abrahams Schoss, in schönster Natur lagen.
Ein interessantes Erlebnis hatten wir in Ribadeo. Wir gingen in gebührendem Abstand zu einem anderen Fahrtensegler im zweiten Versuch erfolgreich vor Anker. Später frischte der Wind bis 20 Knoten auf und wir sahen, wie unser Nachbar in Richtung Quai driftete. Unser Anker hielt. Wie konnten wir ihn warnen? Er war zu weit entfernt, dass er uns hören könnte. Zum Glück merkte er es rechtzeitig, startete den Motor und ging erneut vor Anker.
Später beobachteten wir eine französische Yacht beim Versuch, am Quai an ein viel kleineren Boot längsseits zu gehen. Ein Einheimischer, auf einem Fischerboot nebenan, verhinderte das Ansinnen. Sie bereiteten sich anschliessend aufs Ankern vor und kamen in unsere Nähe. Sie werden doch nicht etwa… kann nur ein Charterschiff sein… Doch, sie pflanzten sich zwischen uns und unseren Nachbar! Und wie sie es taten. Näher beim Nachbar als bei uns, ein paar Meter Kette raus und sich ganz ruhig verhalten, der Anker könnte sonst slippen. Der Nachbar wird sie wohl weg schicken, dachten wir, denn sie lagen nur wenige Meter vor ihm. Er schien jedoch keine Bedenken zu haben und akzeptierte den knappen Abstand. Zum Glück, dachten wir, blieb es eine ruhige, windstille Nacht.
Einen besonders schönen Ankerplatz fanden wir bei San Vicente de la Barquera. Bestens geschützt von allen Winden in einer schönen Umgebung mit eindrücklich wechselnden Ausblicken auf trocken fallende Sandbänke bei unterschiedlichen Wasserständen.
Gäste und Besuch aus der Luft Im Juli war Karlo Krattiger drei Wochen lang bei uns und unterstützte uns tatkräftig bei allen Manövern und Arbeiten an und unter Deck. Zudem ist er bekannt als Fotograf und Verfasser von CCS-Törnberichten auf Video. Wir sind gespannt und freuen uns auf das Resultat seines Wirkens an Bord der Early Bird.
In Gijon erhielten wir Besuch aus der Luft: Urs Hug von Zürich Apron Control und seine Partnerin Beatrice machten auf ihrer Reise, mit Privatflugzeug nach Spanien und Portugal, einen Aufenthalt in Gijon. Das Meeting war seit langem geplant. Wir waren aber nicht sicher, ob das überhaupt klappen würde.
Während wir schon im der Marina von Gijon lagen, meldeten sie mit einem SMS eine Volte über der Marina an. Wir stiegen auf die Hafenmole, um uns dort besser bemerkbar zu machen und begrüssten das Schweizer Flugzeug mit Fahnenschwingen, CCS-Flagge 80 x 120 cm auf Bootshaken montiert! Die Leute in der Marina mögen sich gefragt haben, was wir da machten. Hauptsache aber war, dass Urs und Beatrice uns gesehen haben.
In Santander ging Karlo von Bord und Hansruedis Tochter Mirjam mit Nathalie trafen ein, um ein paar Tage mit uns an Bord zu verbringen und Einblick in unser Zigeunerleben zu gewinnen. Nach zwei Kurzetappen und einer Nacht an einer Muringboje im Fluss bei Laredo mussten sie in Bilbao schon wieder aussteigen und die Heimreise antreten.
Spanisch Kreuzen Was der Begriff ’Dänisch Kreuzen’ heisst, ist unter Seglern klar: ein Schiff unter Motor mit gesetztem Grosssegel.
Als der wenige Wind zum Segeln wieder einmal nicht mehr ausreichte, rollten wir das Vorsegel ein und begannen zu Motoren oder eben ’Dänisch zu kreuzen’! Wir staunten nicht schlecht, als uns ein anderes Schiff unter Vollbesegelung entgegenkam und sogar noch flotte Fahrt machte. Warum kann dieses Schiff segeln und wir müssen motoren? Des Rätsels Lösung war einfach! Auch bei ihnen wurde gemotort, nur haben sie beide Segel oben gelassen! Eine Art des Vorankommens, die wir in Spanien noch mehrmals angetroffen haben.
La Coruña La Coruña wird auch als die gläserne Stadt bezeichnet, da viele Gebäude verglast Fronten aufweisen. Uns hat diese Stadt gut gefallen. Die beiden Landtage verbrachten wir mit ausgedehnten Stadtbummel und auch einer Fahrt mit dem alten Tram.
Speziell fasziniert hat uns der älteste noch funktionierende Leuchtturm der Welt, der ’Torre de Hércules’. Der römische Turm dient seit dem 2. Jahrhundert der Seefahrt als markante Ansteuerung. Im 18. Jahrhundert wurde der Leuchtturm umfangreich renoviert. Heute ist im Erdgeschoss ein interessantes Museum und von der Turmesspitze aus gibt es eine wunderbare Aussicht auf Meer und Stadt.
Gijon Eine schöne, ordentliche Stadt, in der es uns sofort gefallen hat. Die gepflegten und sauberen Strassen animierten uns zu einem langen Spaziergang.
Hier fanden wir auch zum ersten Mal in Asturien Sidrerias. Den Sidre mussten wir natürlich sofort probieren. Auffallen war in diesen Lokalen, dass der Boden recht feucht und schmutzig war, an der Theke entlang eine Rinne im Boden eingelassen war (fast vergleichbar mit einem militärischen Pissoir) und es dementsprechend auch ziemlich intensiv roch. Eingeschenkt wir so, dass der Kellner ein Halbliterglas in der nach unten gestreckten Hand, die Flasche Sidre in der anderen nach oben gestreckten Hand hält und den Sidre in einem dünnen Strahl in das Glass fliessen und spritzen lässt. Schon beim Einschenken spritzt des in alle Richtungen. Knapp ein dl Sidre enthielt das Glas, das der Kellner Hansruedi hinstreckte. War das nun zum degustieren, wie beim Wein? Nein, alle erhalten so wenig Sidre. Das Glas soll in einem Zug geleert werden. Wer das nicht schafft, leert die Resten in die Rille am Boden – daher also der strenge Duft.
Ein Phänomen, das wir hier zum ersten Mal beobachteten, waren extrem viele Gruppen von 3 bis ca. 6 Frauen, die sich zu einem Kaffee und einem Schwatz in den verschiedenen Restaurants oder auch nur auf einem Bänkchen im Stadtpark trafen. Weiter östlich sind uns diese Frauengruppen noch viele Male aufgefallen. Was machen unterdessen die Männer, haben wir uns oft gefragt?
Santander Die Hauptstadt von Cantabria war früher ein Seebad. Dementsprechend gibt es hier lange Sandstrände und viele grosse Hotel. Eine mit Touristen überfüllte Stadt.
Für Hansruedi wird Santander in ganz spezieller Erinnerung bleiben. Nathalie, sein Grosskind schwärmte von einem Besuch im Mc Donald und, da auch Vreni schon lange gerne wieder einmal einen Hamburger gegessen hätte, stand einem Besuch nichts mehr im Wege. Machtlos gegenüber den drei Frauen, bliebt Hansruedi nicht anderes übrig als mitzugehen.
Bilbao Schon lange bevor wir in Bilbao waren, war uns klar dass wir diese Stadt erst nach dem Besuch des Guggenheimmuseums wieder verlassen werden. Ein Ausflug, der sich wahrlich gelohnt hat. Die Architektur ist einmal und auch die beiden Ausstellungen ’Russische Malerei’ und ’Max Beckman’ waren sehenswert.
Auffallen in Bilbao sind auch die Gegensätze der vielen historischen, gut erhaltenen Gebäude und der modernen Architektur, wie z.B. die Zubizuri Brücke.
Einzig ein Problem hatten wir mit den vielen Einbahnstrassen. Wir waren mit einem Auto unterwegs und mussten jeweils verschiedene kleinere und grössere Runden drehen, um ein Ziel zu erreichen.
Zwischen Areta und Portugalete, zwei Vororten von Bilbao ist die älteste, noch funktionierende Hängebrücke der Welt, die ’Puente Colgante’. Der Transport erfolgt mit einer Schwebefähre, die sogar Autos mitnimmt.
Kochen und Backen Der Juli war kulinarisch ein Monat, in dem viele neue Speisen ausprobiert wurden. Oft war bei der Menukreation ein Lebensmittel, dass gebraucht werden musste Ausschlag gebend, manchmal aber auch nur die Experimentierfreudigkeit von Vreni. So wurden neue Arten von Lauch- und Tomatenkuchen ausprobiert, Guetsli, Olivenbrot und sogar der erste Zopf wurden gebacken.
Beim Zopf gelang eigentlich alles nach Wunsch, ausser dass es ein Rundzopf wurde. Da beim Flechten ein langes, dünnes Zöpfchen entstand, das auf keinem Kuchenblech mehr Platz fand, wurde das runde Blech genommen und der Zopf dem äusseren Rand nach zu einem Kreis geformt. Der Geschmack hat diese neue Zopfform aber nicht beeinflusst. Das zweite Exemplar kann man nun bereits im Internet bewundern!
Pimientos Als wir anfangs Monat wieder einmal auswärts Essen gingen, empfahl uns der Kellner Pimientos als Vorspeise. Serviert wurden gedünstete, kleine grüne Peperoni, die aussehen wie grüne Pfefferschoten, jedoch viel weniger scharf sind. War das lecker!
Beim nächsten Einkauf sahen wir Pimientos im Laden. Für Vreni war klar, kaufen und mal schauen was daraus gemacht werden kann. In Olivenöl, Knoblauch und etwas Wasser wurden sie gedünstet und nach dem Anrichten noch gesalzen. Die ersten Pimientos schmeckten an Bord so gut, dass sie im Juli zu unserer Standardvorspeise wurde, d.h. fast täglich gab es nun Pimientos. Gut dass wir nun in Frankreich sind und der Menuplan wieder etwas mehr Abwechslung bietet!
Olivenbrot

Auf speziellen Wunsch von Karlo sollte ein Olivenbrot gebacken werden. Rezept hatten wir keines, aber mit etwas Erfindergeist lässt sich ja bekanntlich viel machen.
250 gr. Weismehl
ca.50 gr. grüne Oliven entsteint und in kleine Stücke geschnitten
1 Teelöffel Salz
1 Teelöffel Zucker
½ Beutel Trockenhefe (ca. 3,5 gr.)
½ dl Olivenöl
1 dl lauwarmes Wasser
Die Zutaten alle in eine Schüssel geben und den Teig rund 10 Min. kneten bis er schön elastisch ist, anschliessend 2 – 3 Std. stehen lassen und dann bei ca. 200 Grad 20 – 25 Min. backen. Das Rezept war ein Erfolg.

Reparaturen und Wartungsarbeiten Es störte uns schon lange, dass unser Schiff auf beiden Bug nicht gleich gut läuft und ständig ein bis anderthalb Grad nach Backbord krängt. War es eine asymmetrische Instrumentenanzeige oder etwas anderes? Zudem war die vordere Unterwant auf der Backbordseite lose und konnte nicht angezogen werden, weil der Wantenspanner am Anschlag war. In Bilbao liess sich Hansruedi von einem Riggspezialisten beraten. Dieser sah auf den ersten Blick, dass unser Mast schief stand. Er instruierte Hansruedi, wie das zu korrigieren sei. Nun ist die backbordseitige Unterwant ebenso angespannt wie alle anderen und das Schiff krängt etwas weniger. Im nächsten Winterlager müssen wir das noch genauer ansehen.
Die Hydraulik begann, ein ungewohntes Geräusch zu machen. Der Grund war zuwenig Flüssigkeit im Kreislauf. Es gibt ein kleines Leck bei der Druckpumpe, das Hansruedi abzudichten versuchte. Zudem wurde das ausgelaufene Hydrauliköl nachgefüllt. Nun funktioniert die Hydraulik wieder anstandslos.