Törnbericht Juni 2006  

 

 

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Route Juni 2006 Rota – Cadiz – Chipiona – Mazagon – Ayamonte – Culatra – Albufeira – Lagos – Sines – Sesimbra – Lissabon – Setubal – Sesimbra – Cascais – Peniche – Nazare – Figueira da Foz – Aveiro – Leixoes (Porto)
Allgemeines Seit Ende Mai – Anfangs Juni geht es nordwärts. Zuerst noch entlang der Algarve nach Westen bis Cabo de Sao Vicente, dann der portugiesischen Atlantikküste entlang nach Norden.
Der klimatische Unterschied im letzten Monat war gewaltig. In der Algarve war es sonnig und heiss, an der Atlantikküste oft bewölkt und deutlich kühler.
Wo bleibt hier der Sommer? Die wind- und wetterbeständige Ölzeugjacke wurde zum meistgetragenen Kleidungsstück. Beinahe schon vergessen sind die Zeiten, wo wir, nur mit Badehosen bekleidet im Cockpit die Wärme der Sonne geniessen konnten. Die sportliche Bräunung beschränkt sich je länger je mehr auf Gesicht, Hände und allenfalls Beine, falls überhaupt noch kurze Hosen angesagt sind.
Der Nordwind an Portugals Küste Wir wussten, dass der Wind hier meist aus Norden, in Landnähe vielleicht aus Nordwesten blasen würde.
Auf unserem ersten Schlag von Lagos, um Punta de Sagres und Cabo de Sao Vicente herum nach Sines profitierten wir jedoch von einem aussergewöhnlichen Ostwind, der uns in rascher Fahrt ans Ziel der 80-Meilenetappe brachte.
An den folgenden Tagen gewöhnten wir uns an den Tagesablauf, der mit schwachem Wind um zwei Bft. beginnt und im Verlauf des Nachmittags auf fünf bis sechs Bft. auffrischt. Dazu kommt noch ein nach Süden setzender Strom von bis zu einem halben Knoten.
Es galt, zur richtigen Zeit loszufahren, um bei wenig Wind und Wellen unter Motor voran zu kommen und am frühen Nachmittag bei gutem Wind noch etwas Segeln geniessen zu können.
Wir mussten feststellen, dass unser Schiff nicht die besten Kreuzeigenschaften besitzt. Bei wenig Wind und etwas Wellen kommt kaum Fahrt ins Schiff, und bei frischem Wind und den entsprechenden Wellen nimmt die Abdrift auch wieder zu.
So kam es, dass wir in drei Stunden gerade mal 7,5 Meilen in Richtung Ziel voran kamen oder für eine Tagesetappe von 25 Meilen zehn bis elf Stunden unterwegs waren und erst noch einen Teil unter Motor zurücklegten.
Cadiz Cadiz ist eine lebhafte, interessante Stadt, die auf einer Halbinsel liegt mit reicher historischer Vergangenheit. Herkules persönlich soll die Stadt gegründet haben. Den Phöniziern diente es als Handelstützpunkt bevor zuerst die Griechen, dann die Karthager, Römer und Araber die Stadt besetzten. Hier besuchten wir ein Museum über die Erkundung der Länder, sowie die Thunfischfängerei und über die Geschichte des alten Hafens vor Cadiz.
Lissabon In Lissabon gönnten wir uns wieder einmal etwas Landgang. Zu Fuss, mit Metro, Bus und Tram erkundeten wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Auffallend sind die Gegensätze zwischen alten, ungepflegten, baufälligen Häusern und prunkhaften, gut erhaltenen Palästen und modernen Bauten. Die Fahrt mit dem Tram durch die verwinkelten Gassen der Altstadt Alfama war eindrücklich, die Aussicht vom mächtigen Castelo de S. Jorge ebenfalls.
Sintra Mit der S-Bahn machten wir einen kurzen Ausflug in die frühere königliche Sommerresidenzstadt, wo wir das Wahrzeichen der Stadt, den Paço Real mit seinen beiden auffälligen Küchenkaminen, besichtigten. Im Verlaufe von fünf Jahrhunderten An- und Umbauten entstand ein verschachtelter Komplex mit Dekorationen aus verschiedenen Epochen und Kulturen.
Porto Zwischen den anfallenden Arbeiten anlässlich der Ab- und Anreise unserer Gäste blieb gerade ein Nachmittag, um Porto einen Besuch abzustatten. Mit dem Bus ging es direkt ins Zentrum, und von dort zu Fuss zu den Sehenswürdigkeiten: zur mit Azulejogemälden geschmückten Eingangshalle des Bahnhofs Sao Bento, auf den Turm Dos Clerigos, über die alte Eisenbrücke Ponte de Dom Luis I, zum Quartier Ribeira am Fluss Duoro entlang und zum Mercado de Bolhao, der mit schönen Blumenverkaufständen und einheimischen kunsthandwerklichen Artikeln besticht.
Auffallend in Porto sind auch die vielen Konditoreien mit den portuensischen Spezialitäten. Ein speziell dunkles Brot, fast wie Lebkuchen sowie einige Leckereien mussten wir natürlich ausprobieren.
Vrenis Velosattel Wenn wir unterwegs sind, parkieren wir unsere Velos immer so, dass beide Velos an einem einen dicken Pfahl mit einem Stahlseil zusammengebunden werden.
In Cadiz staunten wir nicht schlecht, als wir am Abend auf Schiff zurück radeln wollten. Vrenis Velosattel war verschwunden! Zuerst suchten wir in nahe gelegenen Papierkörben – vielleicht ein Lausbubenstreich! Der Sattel blieb jedoch verschwunden. Wir tauschten die Velos und Hansruedi radelte im Stehen in die Marina zurück – so ein Pech! Am nächsten Ort hatten wir grosses Glück. In einer Eisenwarenhandlung konnten wir einen neuen Sattel für Vrenis Velo kaufen – zwar nicht so ein schöner und eleganter, aber doch ein Sattel!
Ankerball Ein Segler machte uns darauf aufmerksam, dass in Portugal beim Ankern der Ankerball gesetzt werden muss. Wenn er fehlt und die Behörde dies merkt, kann dass Bussen bis 100 € bedeuten.
In Culatra, am ersten Ankerplatz in Portugal musste also dieser Ankerball, zwei schwarze miteinander verbundene Kreise, die aussehen wie eine Kugel, auf dem Vorschiff aufgehängt werden. Nur wo war dieser Ankerball – gesehen hatten wir ihn beide vor langer Zeit. Da wir ihn bis heute aber noch nie benutzt haben, musste eine grosse Suchaktion gestartet werden. Sämtliche Schaps (Kästen) wurde aufgemacht, im Motorenraum wurde bis in die hinterste Ecke gesucht – nirgends ein Ankerball! Vreni machte sich schon Pläne, wie wir uns auf die Schnell so einen Ankerball basteln können – 2 Kreise mit einem schwarzen Stoff überziehen oder mit schwarzem Filzstift anmalen … Ein letzter verzweifelter Blick in die Backkiste und der Ankerball wurde gefunden.
Das Hobby der Fischer Letztes Jahr hatten wir fast einen Zusammenstoss mit einem Fischerboot – der Fischer fuhr mit seinem Schiff ohne Ausguck zu halten langsam mal nach links, mal nach rechts. Dann beschleunigte er plötzlich und hielt voll auf uns zu. Während wir unser Ruder hart backbord legten, machten wir ihn mit lautem Zurufen auf die gefährliche Situation aufmerksam. Er war recht erstaunt, wenige Meter vor einem Segelschiff zu stehen!
In den Küstengewässern treffen wir immer wieder auf Fischerboote, die stur auf uns zufahren. Gebrannt vom letztjährigen Erlebnis weichen wir immer rechtzeitig aus. Verschiedene Fischer fahren dann auch eine Korrektur, so dass wir uns immer mehr näherten. Hat der Fischer uns wirklich gesehen oder … Vielfach endete die Situation damit, dass freundliche winkende Fischer unser Schiff samt Crew aus nächster Nähe betrachten wollten.
Der Gesang für die Delfine Das Ganze begann damit, dass uns ein Schweizer Seglerehepaar ihre Erfahrungen von Delfinen und Ländlermusik erzählten. Die Delfine sollen grosse Sprünge zu unseren heimatlichen Klängen machen und das Schiff freudig umschwimmen!
Bei der Einfahrt von Mazagon begleiteten uns einige Delfine. Sofort begannen wir beide laut zu singen – da bei uns an Bord die Ländlermusik fehlt, wählten wir volkstümliche Lieder aus wie z.B. ’Äs Burebüebli ma ig nid’ oder ’Min Vater isch än Appezäller’.
Die Delfine tauchten immer wieder auf, sprangen aus dem Wasser. Ob dies jedoch aus Freude an unserem Gesang oder aus lauter Neugier an dem unbekannten Lärm ihre schönen Sprünge vollführten, bleibt dahingestellt
Kirschensteine Der neue Kochherd ist für Vreni ein grosses Betätigungsfeld! Immer wieder werden neue Dinge ausprobiert! Oft gibt es Kuchen – Lauchkuchen – Apfelkuchen – Aprikosenkuchen… Um ’blinde’ Kuchenböden (z.B. für Erdbeerkuchen) backen zu können, mussten Kirschen- und Aprikosensteine gesammelt werden. Extra dafür kauften wir Kirschen. Die Steine mussten sehr sorgfältig vom Fruchtfleisch befreit werden; d.h. wir beide waren tagelang damit beschäftig, Kirschensteine zu kauen. Anschliessend mussten sie noch gewaschen und getrocknet werden. Jetzt haben wir die Steine, leider ist aber die Erdbeerzeit vorbei.
Hochspannung Bange Sekunden erlebten wir bei der Ansteuerung des Yachtpontons von Aveiro. Wir schauten nach vorne und suchten einen freien Platz, als uns der Skipper eines entgegenkommenden Touristenbootes wild gestikulierend und mit den Händen nach oben zeigend „Quidado! Quidado!“ zu rief. Wir schauten nach oben und erstarrten beinahe vor Schreck, denn auf unbekannter Höhe überquerte eine mit roten Bällen markierte Hochspannungsleitung den Fluss. Sofort stoppten wir das Schiff und hielten die Position, um in der Karte und in unseren Revierführern Informationen über dieses Hindernis heraus zu finden. Es war nirgends erwähnt. Wir verglichen unsere Mastlänge mit den am Steg liegenden Schiffen und entschieden, die Ansteuerung sorgfältig, langsam, möglichst nahe bei den Masten zu versuchen, was uns auch problemlos gelang. Gemäss Auskunft des Yachtclubs soll die Durchfahrt bei Hochwasser 22 Meter hoch sein, aber man riet uns trotzdem, nicht bei Hochwasser loszufahren, denn unser Mast misst immerhin fast 21 Meter.
Rauch im Motorenraum Bei der Ansteuerung von Ayamonte merkten wir, dass der Motor plötzlich unregelmässig drehte, zuerst langsamer, dann wieder schneller. Zudem glaubte Hansruedi, ein ungewohntes Geräusch aus dem Motorenraum zu hören. Beim Nachsehen im Motorenraum schlug ihm Rauch und Gestank entgegen. Der Kältegenerator und sein Keilriemen waren blockiert. Beide waren heiss, am Keilriemen entwickelte sich Rauch. Sofort Motor aus und überlegen, was zu tun ist. Mit feuchten Lappen kühlte Hansruedi Keilriemen und Generator. Die Gefahr war gebannt, indem der Keilriemen entfernt wurde.
Wir hatten wohl riesiges Glück, dass noch kein Feuer ausgebrochen war. Und schliesslich können wir auch ohne Tiefkühler leben. Der Kühlschrank funktioniert je nach wie vor!