Törnbericht Mai 2005  

 

 

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Route Mai 2005 Gemiler Reede (Karacaören) – Fethiye – Boynuz Bükü – Göçek (Skopea Marina) – Boynuz Bükü – Kocabük – Ekincik Limani – Ciftlik Limani – Serçe Limani – Marmaris (Netsel Marina) – Bozukkale – Yesilova – Keçi Bükü – Bencik – Datça – Knidos
Allgemeines Die Route führte diesen Monat in die schönsten Ankerbuchten der Türkei, aber auch in die Touristenmetropole Marmaris. Die Gegensätze sind gewaltig: hier die Ruhe und Abgeschiedenheit der intakten Natur, dort die Betriebsamkeit, der Lärm und der Gestank einer Grossstadt.
Seglers Lust und Frust Der Wind bläst meistens auf die Nase – sei es zu Wasser oder zu Land, auch wenn wir mit dem Velo unterwegs sind.
Im Grunde wollen wir ja viel segeln und wenig motoren. Dies gelingt uns nicht immer. Wenn man auf dem Weg nach Westen gegen die generelle Windrichtung vorwärts kommen will, muss man früh aufbrechen, um nicht am späteren Nachmittag in zu starken Gegenwind zu geraten. Das bedeutet dann, nach der Morgenbrise in der Mittagsflaute zu dümpeln oder eben zu motoren. Auch heisst es fleissig Segel zu wechseln, zu bergen und wenig später wieder zu setzen.
Nach einiger Zeit unter Motor ist die Freude umso grösser, bei 15 bis 20 Knoten Wind in ruhiger See aufkreuzen zu können.
Ankern Wir ziehen das Ankern den Aufenthalten in den Marinas vor. Allerdings ist die in der Türkei übliche Art mit Buganker und Heckleinen zum Land gar nicht so einfach, vor allem nicht mit kleiner Crew. Das Rückwärtsfahren bei Seitenwind ist mit Early Bird recht schwierig und das ganze Manöver mit Ausbringen der Landleine kann schon mal eine halbe Stunde oder länger dauern. Dazu kommt das Dilemma, dass bei zu früher Ankunft noch starker Wind bläst und bei zu später Ankunft die besten Plätze besetzt sind. In dieser Hinsicht können wir uns noch verbessern.
Gäste / Kontakte

Wir sind gerne zu zweit unterwegs, aber ab und zu ist es auch schön, Gäste zu haben oder Freunde und Bekannte zu treffen oder kennen zu lernen.

Im Mai war viel los. Vom 7. bis 14. Mai war unser Freund Wolfgang aus Frankfurt zu Besuch. Abgesehen von der schönen Zeit, die wir zusammen hatten, war das eine Gelegenheit, heiss ersehnte, in der Türkei nicht erhältliche oder extrem teure Artikel aus Deutschland zu erhalten. Zusammen mit Wolfgang machten wir einen interessanten und empfehlenswerten Bootsausflug nach Dalyan. Mit einem umgebauten Fischerboot ging es von Ekinçik Limani durch das Mündungsdelta des Dalyan Flusses zur gleichnamigen Stadt und wieder zurück. Unterwegs sahen wir Meeresschildkröten und besuchten die Ruinen von Kaunos, lykische Gräber und ein Schlammbad, was sehr gesund sein soll.

Zur gleichen Zeit waren Fritz und Rosmarie Gasser von Holiday Yachting mit drei Yachten und einer stattlichen Zahl Seglern aus dem Berner Oberland in der Region um Göçek unterwegs. Gedanken- und Erfahrungsaustausch am Steg, in der Ankerbucht und am Funk waren lustig und interessant.

In Marmaris wurde Walter aus Zug mit zwei Gästen auf seiner Yacht Sepia unser Stegnachbar. Da ihr Törn zu Ende ging und sie in die Schweiz zurück reisten, verschenkte uns Walter übrig gebliebene Spezialitäten aus der Schweiz (u. a. Salami, Bündnerfleisch, Appenzeller Käse). Danke vielmal, Walter.

Moorings und was sie halten Für Nichtsegler: Moorings sind am Boden verankerte Leinen, die den Yachten in Marinas oder Ankerbuchten das Ankern ersparen.
Wir lagen in der Skopea Marina in Göçek an einer solchen Mooring und bereiteten uns aufs Auslaufen vor, als der Wind stark auffrischte. Deshalb wollten wir warten, bis er sich wieder legen würde. Hansruedi war im Motorraum und kontrollierte das Öl, als plötzlich unser Heck gegen den Steg knallte. Wenig später schlugen wir gegen die links von uns liegende Yacht. Ziemlich hektisch versuchten wir frei zu kommen und legten ab.
Die Mooring hatte sich am Boden verschoben. Die Marina sah das jedoch anders und verlangte ca. CHF 75.- für vier beschädigte Stegbretter. Die Yacht neben uns wurde zum Glück nicht beschädigt.
Nachträglich erfuhren wir, dass dieser Wind nur etwa alle drei Jahre auftritt und dass die Marina alle verbliebenen Yachten weg schickte, bis der Spuk vorüber war.

In den Ankerbuchten gibt es oft Restaurants, die Moorings auslegen. Deren Benützung ist frei, aber die Wirte erwarten, dass man ins Restaurant essen kommt.
In Serçe Limani trauten wir den Moorings nicht. Der Wirt jedoch versicherte uns, sie würden halten. Dann gab er noch eine falsche Richtung an für den zu erwartenden ablandigen Nachtwind. Wir schliefen wenig jene Nacht. Das Ufer schien immer näher zu kommen. Am Morgen sahen wir die Schleifspuren der Betonklötze im Sand. Early Bird hatte die Mooring um mindestens fünf Meter verschoben.
Was haben wir daraus gelernt? Wenn wir jemandem oder einer Sache nicht trauen, müssen wir auf unsere Erfahrung bauen und entsprechend handeln. In diesem Falle weg von der Mooring und vor Anker gehen.

Holiday in Switzerland resp. Schiffsunterhalt und –reparaturen Da Vreni aus privaten Gründen in die Schweiz musste, blieb Hansruedi gut eine Woche allein in Marmaris. In dieser Zeit ordnete, verbesserte, ersetzte oder reparierte er verschiedene Dinge am Schiff.
So wurden die Servicebatterien ersetzt. Es war gar nicht so einfach, die alten auszubauen. Dass man sie nicht einfach heraus heben kann, war klar, denn schliesslich müssen sie gesichert sein gegen heftige Schiffsbewegungen und Krängung. Voreigner Karl hatte sie aber so eingebaut und verkeilt, als ob sie ewig an ihrem Ort bleiben müssten. Es war schade um die Holzkonstruktion, die zerstört werden musste, bis die Batterien frei kamen. Die neuen Batterien zu beschaffen und einzubauen, war einfacher. Aber die ganze Operation nahm doch zwei Tage in Anspruch.
Dann wurde unter den Kojen alter Klebstoff entfernt, welcher hässlich aussah und seit Jahren alles andere verklebte, nur nicht die Kojenlättli am Seitenrand fixierte.
Es galt auch noch ein Leck am Kühlwasserfilter zu finden und abzudichten sowie den Impeller in der Kühlwasserpumpe zu ersetzen.
Touristik in Marmaris Die nähere Umgebung von Marmaris erforschte Hansruedi während dem Vreni weg war mit dem Velo. Am frühen Morgen war es ganz angenehm: kühle Temperaturen, kein Verkehr, saubere Luft, noch keine Touristen (wir sind zwar auch welche). So gegen 10 Uhr erwacht die Stadt. Die Touristen quellen aus den Hotels, warten auf Taxi oder Bus, gehen in die Stadt, an den Strand, auf einen Bootsausflug oder trinken ihr erstes Bier. Erstaunlich, was im gedeckten Bazar von Marmaris alles angeboten wird: Souvenirs, Kosmetika, Teppiche, Mode, T-Shirts, Uhren, Schmuck. Alles Sachen, die uns wenig interessieren. Abends ist viel Betrieb in der Stadt und am Hafen. Vor den Restaurants wird aktiv um die Gäste geworben. Auf grossen LCD-Fernsehern wird internationaler Fussball gezeigt. Anschliessend geht’s ab ins Nachtleben, das wir nur am Rande in Form von dumpfem Bass bis morgens um vier mitbekamen.
Kommunikation Wir hatten vor, uns ab und zu übers Handy ins Internet einzuloggen. Dies war mit den türkischen Anbietern nicht möglich. So besuchten wir am Anfang alle zwei bis drei Tage ein Internet Cafe. Nach zwei Monaten unterwegs, werden die Abstände zwischen den Besuchen schon grösser, meistens eine ganze Woche.
Den Kontakt mit zuhause halten wir mit längeren Telefonen aus öffentlichen Sprechstellen aufrecht. Dies funktionierte recht gut, bis Anfangs Mai während drei Tagen international gar nichts mehr ging. Auch mit Handys war keine Verbindung möglich. Einzig SMS senden und empfangen war möglich. So etwas wäre in der Schweiz eine mittlere Katastrophe, wir nahmen es erstaunlich gelassen.