Törnbericht Oktober 2006  

 

 

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Route Oktober 2006 Brighton – Eastbourne – Dover – Calais – Oostende – Breskens – Scheveningen – Ijmuiden – Amsterdam – Hoorn – Enkhuizen - Medemblik
Allgemeines Der Oktober schenkte uns eine Reihe schöner Erlebnisse auf See und an Land. Der Entscheid, anstatt an der französischen Küste zu bleiben, von Cherbourg aus über den Kanal und der englischen Küste entlang nach Osten zu segeln, zahlte sich aus. Frische bis starke Winde bliesen aus der richtigen Richtung. Die Bilanz der Segel- und Motormeilen verbesserte sich weiter zu Gunsten der Segelmeilen.
Fast vergessen schon die vielen Tage mit Flaute oder Gegenwind.
Wind und Wetter Starke atlantische Tiefs zogen über Irland, England und Schottland nach Skandinavien und sorgten für Sturm- und Starkwind aus Südwest bis West. An der englischen Südküste gab es oft ’nur’ Starkwindwarnung, während um Irland und Schottland Sturmwarnung angesagt war. In Brighton und Calais zogen wir es deshalb vor, bei angesagten 7 bis 8 Bft. im Hafen auf mildere Verhältnisse zu warten. Je näher wir nach Holland kamen, desto mehr profitierten wir vom Hoch über Europa, das auch der Schweiz den goldenen Herbst bescherte. Mässige Winde bei strahlendem Sonnenschein und ruhiges Wasser im Ijsselmeer – ein Saisonausklang wie man ihn sich schöner nicht vorstellen kann.
Abgesehen von einem stürmischen Frontendurchgang bei Calais und ein paar Stunden Nieselregen in Holland hatten wir wenig Regen.
Teures Pflaster Die Kanalinseln und England sind im Vergleich zu Kontinentaleuropa recht teuer. Die Segler lassen sich ihr Hobby einiges kosten. Hafengebühren sind in GBP etwa gleich wie in Frankreich in EUR, d.h. rund die Hälfte teurer. Für ein 13-Meter Schiff muss man zwischen 30 und 35 GBP (73 bis 87 CHF) pro Nacht rechnen. Beträge, die man sich als Fahrtensegler auf die Dauer nicht leisten kann. Beim Einkauf an Land sieht es ähnlich aus. Die meisten Lebensmittel sind teurer als auf den Kontinent. In dieser Beziehung waren wir froh, England in Richtung Frankreich hinter uns zu lassen.
Bange Momente Ein Schiff hat viele Borddurchbrüche. Für Nichtsegler: das sind Ein- und Austrittsöffnungen am Rumpf für frisches Seewasser, Abwasser und für das Lager der Antriebswelle.
Die Early Bird hat an Stelle einer Stopfbuchse eine Wellendichtung aus Gummi. Diese verhindert das Eindringen von Seewasser durch das Wellenlager. Die Dichtung aus Gummi wird seewassergeschmiert, ist fett- und wartungsfrei, jedoch einem minimalen Verschleiss unterworfen. Ein paar Tropfen Wasser dürfen pro Tag eindringen.
Unter Motor machte Hansruedi fleissig Kontrollen und fand alles immer in bester Ordnung.
Nach der Abfahrt aus Breskens, kaum 2 Stunden unterwegs, stellte Hansruedi fest, dass sich unter der Wellendichtung viel Wasser angesammelt hatte. Erschrocken stellten wir den Motor ab und setzten trotz schwachem Wind die Segel, kamen aber wegen Gegenströmung kaum voran. Wir berieten, was zu tun sei. Sollten wir ohne Wind ausharren und ein Spielball der Strömungen werden oder uns abschleppen lassen? Würde bei erneutem Einschalten des Motors die Dichtung halten, stärker lecken oder sich gar in Einzelteile auflösen und als Folge das Schiff absaufen?
Wir entschlossen uns, unter Motor weiter zu fahren und die Dichtung alle 15 Minuten zu prüfen. Das eindringende Wasser musste laufend aufgeputzt werden. Nach zwei Stunden kam zum Glück etwas mehr Wind auf, sodass wir wieder Segel setzen konnten. Es wurde allerdings ein langer Segeltag. Gegen Abend liess der Wind wieder nach, dafür gab es aber einen wunderschönen Sonnenuntergang. Später frischte es dann nochmals auf. So erreichten wir Scheveningen in der Nacht um halb zwei.
Wir waren froh, dass wir die Abschleppdienste der Küstenwache nicht beanspruchen mussten.
Am folgenden Tag stellte Hansruedi die Dichtung neu ein. Anschliessend konnten wir wieder längere Zeit motoren, ohne dass viel Wasser eindrang.
Stadtbesichtigung mit Bus Brighton ist eine lang gezogene Stadt entlang der Küste. Einige Kilometer ausserhalb des Stadtzentrums liegt die Marina. Um etwas von Brighton zu sehen, kauften wir uns eine Bustageskarte und stiegen in den ersten zweistöckigen Bus, der an der Haltestelle stand. Im oberen Stock, ganz vorne fuhren wir ins Stadtzentrum. Hier wechselten wir auf einen anderen Bus, der in die Vororte fuhr. Anschliessend ging es mit einer anderen Linie wieder ins Zentrum zurück.
Von unserem bevorzugten Platz im ersten Stock haben wir viel so von Brighton gesehen.
Alte Erinnerungen Sowohl Hansruedi wie auch Vreni waren schon mehrere Male in Enkhuizen. Auf CCS Törn hatten beide einige der gemütlichen Beizlis, wie z.B. den Turm kennen gelernt.
Für beide war klar, bei einem Besuch in Enkhuizen müssen diese alten Erinnerungen aufgefrischt werden.
An einem Dienstagabend zogen wir los. Unsere Enttäuschung aber war gross; entweder stand eine Tafel ’heute geschlossen’ vor der Tür oder das Lokal war zwar offen aber ohne Gäste. Von der gemütlichen Atmosphäre unserer Erinnerungen keine Spur.
Wie die Holländer In Holland ist das Velo bekanntlich ein sehr populäres Transportmittel. Wie wir bald feststellten, gelten teilweise für Velofahrer spezielle Verkehrsregeln –Lichtsignale werden oft nicht beachtet, Einbahnstrassen können in beiden Richtungen befahren werden, in Fussgängerzonen wird mit dem Velo gefahren, …
Viele Velofahrer erwecken sogar den Eindruck, dass sie beim Fahren weder nach links noch nach rechts schauen. Wir staunten, dass diese Fahrweise ohne Zusammenstösse überhaupt möglich ist.
Bereits in Amsterdam haben wir uns diesem Fahrstil angepasst. Nach dem Motto ’Immer Fahren’ kurvten wir kreuz und quer durch die Stadt. Nur durch den Bahnhof mussten wir – wegen des dichten Gedränges - die Velos stossen.
Dieser Velofahrstil ist jedoch nicht ganz ungefährlich. Mehr als einmal mussten wir – um einen Zusammenstoss zu vermeiden – stark bremsen und absteigen.
Sklaven des Internets Die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten sind genial. Wir machten fleissig Gebrauch von E-Mail und Internettelephonie. Jeden Monat aktualisierten wir unsere Homepage. Das ergab eine spezielle Erwartungshaltung: Wir hatten versandbereite E-Mails gespeichert oder waren neugierig auf ankommende. Wir hätten schon lange wieder mal telefonieren oder den Monatsbericht transferieren wollen…
Die Frage nach Internetverbindung stellten wir im Hafenbüro im gleichen Atemzug wie die Frage nach Toiletten, Dusche, Waschmaschine und Supermarkt.
Es gab moderne Marinas mit WIFI, Städte mit Internetcafes, aber auch Orte ohne irgendeine Möglichkeit…
So passierte es mehrmals, dass wir trotz positiver Auskunft und längerer Suche nach einem Internetcafe unverrichteter Dinge zum Schiff zurückkehrten.
Gefiederte Gäste Kaum hatten wir die holländische Gastlandflagge gesetzt, hatten wir schon den ersten Besuch von einem Vogel. Gemütlich setzte er sich auf das Vorschiff und betrachtete uns durch die Frontscheibe. Als wir die Segel wechseln mussten, hüpfte er auf das Dach und wartete bis wir die Segel gesetzt hatten und wieder schön am Wind waren, dann setzte er sich erneut aufs Vorschiff und schien die Fahrt zu geniessen.
Noch zwei weitere Male bekamen wir Besuch von Vögeln. Beide blieben während längerer Zeit bei uns auf dem Schiff. Mussten sie sich ausruhen oder wollten die beiden auch einfach einmal segeln?

CCS(Cruising Club der Schweiz)

Unser Törnplan sah vor, zur gleichen Zeit wie die CCS-Schiffe in Medemblik, wo unsere Saison zu Ende ging, anzukommen.
Wir freuten uns, hier gemeinsame Freunde und Segelkollegen zu treffen.
Schon eine Woche vor Saisonende, während unseres Aufenthalts in Amsterdam, waren wir zur gleichen Zeit wie die beiden Schiffe Sailing Swiss und Smiling Swiss im Sixhaven. An Bord der Sailing Swiss bei Richi vom Bodensee und seiner Crew gab es Apéro. Early Bird revanchierte sich am nächsten Tag mit frischem, von Hand gemahlenem Kaffee.
Und Rolf Hübscher brachte tatsächlich die spasseshalber per SMS bestellten Gipfeli aus Zürich mit. Mmmhhh… nochmals herzlichen Dank, wir haben sie genossen!