Törnbericht September 2005  

 

 

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Route September 2005 Riposto – Taormina – Milazzo – Vulcano – Cefalu – Palermo – Arbatax (Sardinien) – La Caletta – Olbia – Cala di Sassari – Porto Cervo – Palau – Bonifacio (Korsika)– Porto Pollo – Ajaccio – Cargese – Calvi
Allgemeines Im Oktober geht unsere erste Langzeitsegelsaison zu Ende. Wir begannen Bilanz zu ziehen und uns zu fragen, ob das Fahrtensegeln so war, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir mussten erkennen, dass wir noch weit davon entfernt waren. Etwas überspitzt gesagt war es ein Überführungstörn mit gelegentlichem Landgang. In jedem Revier, das wir durchfuhren, hätten wir Wochen oder Monate verbringen können. Immerhin versuchten wir, in den jeweiligen Gebieten die wichtigsten historischen oder kulturellen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Das ist uns auch gelungen. In diesem Sinn gibt es nichts zu bedauern oder zu jammern. Aber nächstes Jahr wollen wir es besser machen, indem wir unser Programm weniger überladen.
Wind und Wetter Die erste Monatshälfte war geprägt von unstabilen Zonen mit vielen Gewitterwarnungen in den Wetterberichten. Die häufigen, automatischen Ansagen durch die italienischen Küstenfunkstationen konnten einen nerven. Dazu waren wir in einem Revier, wo die nautischen Reiseführer vor den heftigen Sommerstürmen warnen. Andere Segler bestätigten, dass es dieses Jahr besonders viele unstabile Wetterlagen gab. Dieser Umstand war Grund genug für Hansruedi, meistens etwas angespannt zu wirken.
In der zweiten Monatshälfte änderte sich die Situation positiv. Flache Hochdruckgebiete bescherten uns leichte Winde bei angenehm warmen Temperaturen. Mediterraner Spätsommer, so wie wir uns es erhofften.
Zum Monatsende gab es allerdings noch einen anspruchsvollen Segeltag. Gemäss Seewetterbericht der Deutschen Welle sollten es westliche Winde um 5 Bft werden. Kurz nach dem Auslaufen aus Cargese hörten wir eine Starkwindwarnung, die uns Windstärke 7 Bft bescheren sollte. Ca. 15 sm vor der Ansteuerung von Calvi war es dann bis zu 40 Knoten Wind und vier bis fünf Meter hohe Wellen. Wir waren froh, als wir sicher im Hafen von Calvi vertäut lagen.
Segeln oder Motoren Nicht immer hielten wir uns an unsere Philosophie, wonach wir jeweils auf den richtigen Wind warten oder Etappen kürzen würden, wenn der Wind fehlte. Bei Schwachwind oder Wind auf die Nase wurde allzu schnell der Motor zu Hilfe genommen, um das gesteckte Ziel erreichen zu können.
Vulcano – ein spezielles Erlebnis Den Aufstieg zum Krater des erloschenen Vulkans sollte man nicht verpassen. Wir machten die Tour unter kundiger Führung. Leider sprachen wir als einzige in der kleinen Gruppe nicht italienisch und verstanden von den ausführlichen und sicher interessanten Erklärungen des Führers recht wenig. Die Wanderung durch die Sulfatdämpfe und die farbenprächtigen Sulfatkristalle war trotzdem ein eindrückliches Erlebnis. Schutzmasken hätten wir allein auch keine bei uns gehabt.
Und am Schluss gab es erst noch eine richtig feine Pizza im Tennisclub von Vulcano, wie es uns der Tourenleiter empfohlen hatte!
Überfahrt nach Sardinien

Die Überfahrt von Palermo nach Arbatax (ca. 200 Meilen) dauerte 38 Stunden bei unterschiedlichen Bedingungen. Sturm war keiner zu erwarten und die Gewitterwarnungen betrafen uns auch nicht.
Obwohl nur etwa Windstärke 4 angesagt war, blies uns wenige Stunden nach Abfahrt in Palermo bereits ein kräftiger Wind auf die Nase. Die Insel Ustica hätten wir mit diesem Wind problemlos ansteuern können, nicht aber Sardinien. Wir begannen zu kreuzen, da Wind und Wellen ein Vorankommen mit Motor nicht mehr zuliessen. In der Nacht legte sich der Wind und wir begannen zu motoren.

Etwa auf halbem Weg liess sich ein Vogel auf unserem Deck nieder um sich während Stunden zu erholen. Erst ca. 20 sm vor der Küste setzte er seinen Weg wieder aus eigener Kraft fort.
Erstaunlich weit von der Küste entfernt erhielten wir auch Besuch von einem grossen Falter.
Erst am nächsten Mittag konnten wir wieder segeln. Wind und Wellen nahmen schnell zu. Mit gerefftem Gross und Fock kamen wir ganz flott voran, und zwar in der richtigen Richtung, nach Arbatax. In der Nacht liess der Wind dann wieder nach und drehte zu unseren Ungunsten. Deshalb legten wir die restlichen Meilen unter Motor zurück, da wir nicht noch eine weitere Nacht aus See verbringen wollten.

Landgang (verhinderte Kulturtouristen) Im September fanden wir den richtigen Mix zwischen Segeln, Landgang und Velotouren. So blieben wir mehrmals einige Tage in verschiedenen Häfen und genossen die Landausflüge.
Als erstes machten wir einen Ausflug auf den Ätna. Leider war der Gipfel die meiste Zeit in Wolken gehüllt. Trotzdem war es ein eindrückliches Erlebnis.
In Arbatax, Palau, Bonifacio, Cargese und Calvi holten wir unsere Fahrräder aus der Vorpiek und machten wieder kleinere und grössere Veloausflüge.
Bei Arbatax suchten wir vergeblich eine Nuraghe, eine befestigte Siedlung aus vorgeschichtlicher Zeit. Obwohl beschildert und angeblich nur 1,5 km von der Hauptstrasse entfernt, endete unsere Velotour nach mehreren km auf einem Feldweg vor einem geschlossenen Zaun.
Von Palau aus besuchten wir das Capo d’Orso, ein Granithügel, der aussieht wie ein Bär. Erosion durch Wind und salzhaltige Meeresluft haben ihn im Verlaufe der Jahrtausende geformt. Ebenfalls von Palau machten wir einen Abstecher auf die Inseln La Maddalena und Caprera, wo sich Hansruedi auf den steilen Treppen im Aufstieg zur Guardia Vecchia als Veloträger profilieren konnte. Die Guardia Vecchia konnte wir nicht besichtigen – Zona Militaria. Auf der Insel Caprera wollten wir das Garibaldi Museum besuchen – wegen Personalmangel ausgerechnet an jenem Nachmittag geschlossen.
In Bonifacio bummelten wir durch die Altstadt auf der markanten Landzunge aus Kreidefelsen und stiegen die 187 Stufen zählende Treppe des Königs von Aragon hinab – und wieder hinauf.
Eine Velotour von ca. 25 km nach Westen bis zur Bucht von Figari führte uns durch eine schöne Landschaft mit kleinen und grösseren Sehenswürdigkeiten wie Riesengras oder die Aussicht von Ermitage de St.Trinité.
In Cargese ist schon der Aufstieg vom Hafen zur Ortschaft ein kleiner Bergpreis. Für uns war es nicht genug. Ohne genaue Ortskenntnisse ’kletterten’ wir auf einer Nebenstrasse etwa 500 Höhenmeter weiter, wie Beat Breu zu seinen besten Zeiten. Einfach weil wir immer wieder wissen wollten wie es nach der nächsten Kurve aussehen würde.
Ein feines Nachtessen In Riposto wollten wir uns ein speziell feines Nachtessen gönnen. Pizza, Fisch, … Aber wo? In den Strassen und bei Take away’s fragten wir verschiedene Personen nach einem guten Restaurant. Die Antwort war ernüchtern, dafür immer gleich: in Riposto gibt es kein Restaurant, die nächsten liegen ca. 3 km in beiden Richtungen ausserhalb der Stadt am Strand. Und das zu Fuss – nein! So gingen auch wir zu einem Pizzakurier, liessen uns dort eine Pizza nach unseren speziellen Wünschen frisch zubereiten und brachten sie an Bord. Der Teig war dick und die Pizza … unser Hunger wurde jedenfalls gestillt!
22 kg Zwiebeln .. dies ist ungefähr die Menge, die wir seit April gegessen haben.
Früchte und Gemüse sind ein wichtiger Teil unserer Ernährung. So schleppen wir Berge an Früchten und Gemüse auf das Schiff. Gelagert werden die Kartoffeln und Zwiebeln in der Bilge, dort wo auch unser Weinkeller ist. Anderes Gemüse (Tomaten, Karotten, Gurken, Fenchel, Peperoni, ….) wird in einer grossen Racobox im Stauraum unter dem Esstisch aufbewahrt. Früchte stehen in verschiedenen Behältern auf dem Herd, so dass jederzeit davon gegessen werden kann.
Beim Kauf der Lebensmittel achten wir auf die regionalen Spezialitäten. Diese werden jedoch auch für ganz traditionelle Schweizergerichte verwendet. Mit griechischem Käse lassen sich z.B. vorzügliche Älplermaccaroni zubereiten. Kartoffelgratin mit Zucchetti, Rüebli-Zwiebeleintopf mit Gerste und Käse, wie auch Fleisch oder Fisch gehören auch auf unseren Speiseplan.
Täglich gibt es auch eine grosse Schüssel voll Salat, z.B. Griechischen Salat mit Feta und Oliven, Tomaten mit Basilikum und Mozzarella, und seit anfangs September sogar auch Kopfsalat, der erste seit wir unterwegs sind. Und – überall werden Zwiebeln reingeschnitten – gekocht oder roh, täglich Minimum eine!
Isabelle und Peter Kähr Schon im Voraus vereinbarten wir mit Isabelle und Peter Kähr einen Treffpunkt in Sardinien. Der Nobelhafen Porto Cervo sollte es sein.
Von Arbatax kommend, wollten wir in Olbia eine Nacht bleiben um Lebensmittel zu bunkern. Am nächsten Tag wollten wir dann weiter nach Porto Cervo.
Am Morgen hörten wir schon in der Koje den Wind durch das Rigg pfeifen. Der Himmel war grau verhangen. Windstärke 4 im geschützten Hafen und stundenlanger Platzregen liess uns dieses Vorhaben aber auf den nächsten Tag verschieben. Voll Elan ging es dann am nächsten Tag wieder los. Auf offener See blies uns jedoch bald ein Wind mit 6 Bft. auf die Nase. Die hohen Wellen machten ein Vorankommen für uns fast unmöglich. Nach 2 Stunden bliesen wir diesen Versuch ab und segelten in eine geschützte Ankerbucht zurück.
Am nächsten Nachmittag hatte sich das Wetter soweit beruhigt, dass wir einen erneuten Versuch unternahmen. Der Wind hatte nachgelassen und die Wellen waren merklich kleiner. Diesmal schafften wir es mit Motorenunterstützung in die Ankerbucht von Porto Cervo.
Ein gemeinsames Nachtessen und der Austausch von viel Seglerlatein mit Isabelle und Peter war der Höhepunkt des Tages.