Törnbericht September 2006  

 

 

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Route September 2006 Ploumanac’h – Lézardrieux – St Quay-Portrieux – St Malo – St Hélier (Jersey) – St Peter Port (Guernsey) – Beaucette Marina – St Peter Port – Havre Gosselin (Sark) – St Hélier – Cherbourg – Yarmouth (Isle of Wight) – Cowes – Itchenor (Chichester Harbour) – Portsmouth - Brighton
Wind und Wetter Anfangs Monat herrschte meist schönes und recht warmes Wetter. Der Wind liess jedoch oft zu wünschen übrig. Ab Mitte Monat gab es mehr Wind unter dem Einfluss der atlantischen Tiefs, die eins nach dem andern über Nordwesteuropa hinweg zogen. Gegen Ende Monat wurde es merklich kühler, Starkwind und heftige Regenschauer nahmen zu.
Allgemeines Im September waren wir nun mitten drin in einem der navigatorisch anspruchvollsten Reviere Europas mit enormen Gezeitenunterschieden und entsprechend starken Strömungen, die es bei der Etappenplanung zu berücksichtigen galt. Wegen einer Springflut, wie sie nur alle 10 Jahre vorkommt, war dies besonders wichtig. Es gelang uns meistens, aber in zwei oder drei Fällen lief es trotzdem nicht ganz optimal.
Unseren Gästen konnten wir vieles bieten, ausser segeln: Gezeitenberechnungen, Etappenplanung, interessante Ansteuerungen, 'Flussfahrten' (dank starker Strömung) und Fahren mit Radar im Nebel.
Seit wir wieder alleine unterwegs sind, unternahmen wir wieder mehr Veloausflüge und betrachteten Landschaft, Küste und Leuchttürme auch mal aus einer anderen Sicht.
Nach einigen wirklich schönen Segeltagen hat sich die Bilanz der Segel- und Motormeilen zu Gunsten der Segelmeilen verbessert. Wenn es so weiter geht, haben wir bald mehr Segel- als Motormeilen. Hansruedi’s Zufriedenheit über diese Segelsaison nimmt deshalb ständig zu.
St Malo – St Helier Von St Malo nach St Hélier liefen wir zum richtigen Zeitpunkt aus und wählten die östliche Route um das Minquier-Plateau herum. Die mitlaufende Strömung sollte uns schnell nach Norden spülen. Doch wir trafen – vermutlich wegen des frischen Nordostwindes – auf starke Gegenströmung und mussten erst noch aufkreuzen, weil der Wind, statt wie angekündigt aus Osten, eben aus Nordosten blies. So rundeten wir die Nordostecke des Minquier Plateau zu spät und liefen in die nächste Flutströmung hinein. Bei guten räumlichem Wind rauschten wir mir 6 bis 7 Knoten Fahrt gegen 3 Knoten Strömung Richtung St Hélier. Aus 36 Meilen in der Karte wurden 66 Meilen durch das Wasser – ein langer Arbeitstag!
Guernsey Von St Peter Port nach Baucette Marine trafen wir auf mehr Strömung als erwartet – 4 kn Fahrt durchs Wasser und 10 kn über Grund. Um den Ansteuerungskurs zu halten, mussten wir bis zu dreissig Grad gegen die Strömung vorhalten.
St Helier - Cherbourg Um auf der Etappe von St Hélier nach Cherbourg am Cap de la Hague günstige Bedingungen anzutreffen, und zugleich um Jersey herum mitlaufende Strömung zu haben, muss man unterwegs mit Gegenströmung rechnen. Das Timing stimmte jedoch und das Schönste dabei war, dass wir die ganze Strecke segeln konnten. Trotz optimalem Bedingungen war der Anblick des verwirbelten und gebrochenen Wassers am Cap de la Hague eindrücklich.
Cherbourg - Yarmouth Auch die Kanalüberquerung von Cherbourg nach Yarmouth auf der Isle of Wight durch den berühmten Needles Channel wollte gut geplant sein. Es klappte ausgezeichnet. Bei 15 bis 20 Knoten Wind kamen wir schnell und komfortabel voran und waren zum richtigen Zeitpunkt an der kritischen Stelle bei den Needles. Dort ist es wichtig, dass Wind und Strömung nicht gegeneinander stehen, denn sonst könnte es in unruhigem Wasser ungemütlich werden .
Ausfahrt Chichester Harbour Unruhiges Wasser trafen wir an bei der Ausfahrt aus Chichester Harbour. 20 Knoten Wind gegen 3 Knoten Ebbstrom und nur 4 bis 5 Meter Wassertiefe liess unangenehm kurze, steile Wellen entstehen. Crew und Schiff wurde arg gebeutelt. Anstatt nach Brighton zu fahren, änderten wir unseren Kurs nach Portsmouth.
St. Malo In St Malo erlebten wir einmal mehr, dass uns eine Marina abwies mit der Begründung, sie hätten keinen Platz und unser Schiff sei zu gross.
Zum Glück fanden wir Platz im Bassin Vauban, ganz nahe bei der Altstadt „Intra Muros“, die wir auf mehreren Spaziergängen ausführlich besichtigten.
Um ins Bassin Vauban zu gelangen, passierten wir eine Schleuse. Interessant ist, dass bei der Ausfahrt das Niveau vom Meer durch die Flut höher war, als jenes des Bassin Vauban. Wir stiegen somit beide Male in der Schleuse, bei der Einfahrt und bei der Ausfahrt.
Unseren ’letzten’ Gäste Unsere letzten Gäste dieser Saison waren Angelika, eine ehemalige Arbeitskollegin von Vreni, mit ihrer Freundin Anni.
Leider hatten wir auch während unserer letzten Woche mit Gästen etwas Wetterpech. Zuerst war Flaute, anschliessend hatten wir dicken Nebel. Erst die beiden letzten Tage bot schönes Segelwetter.
Da Angelika und Anni bereits eine Woche vor Törnbeginn nach Guernsey gereist waren und die Insel schon recht gut kannten, konnten wir, während unseres ungeplanten Aufenthalts in St Peter Port, von ihren Inselkenntnissen profitieren.
Nachts an der Boje Auf der Etappe von St Peter Port nach St Hélier realisierten wir bald einmal, dass wir nicht erwartungsgemäss vorankamen. Wir wären bei Point Corbière an der Südwestecke von Jersey in starke Gegenströmung hinein geraten und hätten den idealen Zeitpunkt für die Ansteuerung von St Hélier verpasst.
Zurück nach St Peter Port? Lieber nicht, da waren wir lange genug. Also nach Sark an eine Boje in Havre Gosselin und am nächsten Tag weiter nach St Hélier. Hansruedi überlegte noch, ob es nicht besser wäre, die Ostseite der Insel anzusteuern um gegen den zu erwartenden West-Nordwestwind besser geschützt zu sein. Es wird wohl nicht so schlimm sein, dachten wir beim Anblick anderer Bojenlieger in Havre Gosselin.
In der Nacht wurden wir eines Besseren belehrt. Irgendwann begann Early Bird zu rollen, dass es einen beinahe aus der Koje warf. An einen tiefen Schlaf war nicht zu denken. Am Morgen ging es so früh als möglich, sobald das Tageslicht es erlaubte, weiter in den geschützten Hafen von St Hélier.
Wir fahren mal rechts, mal links Ab Mitte Monat machten wir viele Veloausflüge. Durch das Pendeln zwischen Frankreich und England mussten wir aufpassen, dass wir auf der richtigen Strassenseite fuhren. Auf den vielen markierten Radwegen war es kein Problem, aber in den Städten, an Kreuzungen oder einfach beim Anfahren konnte es schon mal passieren, das es einen auf die falsche Seite zog. Ein warnender Zuruf der Partnerin (oder des Partners) half aber jedes Mal Schlimmeres zu vermeiden.
Velowege Vieler Orts gibt es speziell bezeichnete Velorouten.
Auf Jersey fuhren wir auf idyllischen Nebenstrassen nach Gorey und zum Zoo, der im Norden der Insel liegt, und quer über die Insel wieder zurück nach St Hélier.
In Cherbourg gibt es auf Stadtgebiet „Pistes cyclables“. Ausserorts fährt man auf wenig befahrenen Nebenstrassen. Wir radelten nach Osten zum Cap Levi und nach Westen Richtung Cap de la Hague. Allerdings schafften wir es nicht bis zum Kap, denn die Strecke war doch recht hügelig und wir mussten unsere Kraftreserven einteilen, um auch wieder zurück zum Schiff zu gelangen. Trotzdem waren die beiden Touren 30 und 50 km lang. Die hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Gegend ist sehenswert.
Auf der Isle of Wight gibt es eine Veloroute von Cowes im Norden über Newport nach Sandown im Süden der Insel. Sie wurde auf dem Trasse einer stillgelegten Eisenbahn angelegt und ist eine der schönsten Touren, die wir fuhren. Rund um die Insel gibt es auch eine Route auf weniger befahrenen Strassen, eine recht anstrengende Tour mit vielen Steigungen und Abfahrten. Von Cowes aus radelten wir auf diesem Veloweg je ein Stück nach Osten und nach Westen.
Schwimmer im Hafen In dem Moment, als wir in St Hélier ablegen wollten, wurden wir und andere Yachten durch die Hafenbehörde aufgehalten. Der Hafen sei geschlossen, wurde uns gesagt. Auf Anfrage erfuhren wir, dass ein Schwimmwettbewerb stattfinde. Tatsächlich waren uns vorher schon eine Menge Leute aufgefallen, die mit Stoppuhren und irgendwelchen Listen versehen, am Rande des Hafenbeckens auf irgendetwas warteten.
Bald tauchten die ersten Schwimmer, begleitet von Kajaks und Kanus, am Eingang zur Marina auf. Die meisten schwammen recht zügig, die letzten jedoch bekundeten etwas Mühe und wurden von ihren Betreuern kräftig angefeuert. Schliesslich schafften es alle bis zur Ziellinie und unserer Abfahrt stand nichts mehr im Wege.
So viele Segelschiffe Die meiste Zeit seit unserem Start haben wir sehr wenige Segelschiffe gesehen. Oft wir sogar stundenlang alleine unterwegs.
Während der Überfahrt von Cherbourg nach der Isle of Wight war es nicht anders. Wir sahen nur 2 Segelschiffe von weiten. Anders war es dann im Solent. Hier wimmelte es von Schiffen – vergleichbar mit einem stahlen schönen Tag auf dem Thunersee im unteren Seebecken.
Im Solent hat es dutzende von Marinas und tausende von Schiffen, die in den geschützten Flussläufen an Bojen liegen. Für England ist dieses Gebiet das Segelmekka.